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Nach der Flut ist vor dem Wiederaufbau - Kirchen in Trier-Ehrang laden zu ökumenischem Gottesdienst ein

Trier – „Aus Chaos wurde Alltag“, sagt Gertrud Rosenzweig, überlegt, zögert einen Moment und ergänzt: „Aber noch nicht so ganz.“ Sie ist Gemeindereferentin in der Trierer Pfarreiengemeinschaft Ehrang-Pfalzel-Biewer. Rosenzweigs Alltag und der ihrer Kollegin Maren Vanessa Kluge, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Ehrang, wurde für Wochen von der Flutkatastrophe und deren Folgen bestimmt: Auf gefluteten Straßen und in Notunterkünften unterwegs, in der Soforthilfe und dann in der Begleitung der Menschen, die Vieles verloren haben. Jetzt suchen sie den Perspektivwechsel. „Es wurde geräumt, abgeschlagen, weggeworfen – jetzt wollen wir auch ans Aufbauen denken“, sagt Kluge. Ein Baustein soll ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntag, 12. September, um 18 Uhr, in der katholischen Pfarrkirche St. Peter sein.

"Es hat sich schon Einiges verändert in den zurückliegenden Wochen", erzählt Kluge. Die anfängliche Panik sei gewichen. "Man wird etwas gelassener, wenn etwas nicht sofort funktioniert oder nicht sofort erledigt wird." Und Rosenzweig ergänzt: "Für die Betroffenen ist aber die Unsicherheit immer noch sehr belastend." Die beiden Seelsorgerinnen eint die Furcht vor dem Winter, denn "nicht alle Geschädigten werden bis zum Kälteeinbruch eine Heizung in ihrer Wohnung oder ihrem Haus haben." Darüber, und auch über die weiteren Herausforderungen, tauschen sie sich regelmäßig aus - auch mal per Video-Konferenz.

Noch sei vor Ort daher nicht an normale Seelsorge zu denken. "Gesprächsanfragen kommen, und auch bei einem Erzählcafé gab es einen guten Austausch", erzählt Rosenzweig. Viele der Betroffenen lebten gerade in zwei parallelen Welten: Der "heilen" Welt der Arbeit und der Familie, sowie der Welt der zerstörten Keller, der Müdigkeit und der schwindenden Kraft. "Ich rechne damit, dass die Fragen des Verlustes und des Umgangs damit nochmal stärker an uns herangetragen werden, wenn die Tage kürzer und dunkler werden, wenn es auf Weihnachten zugeht", vermutet Kluge. "Aber auch dann werden wir da sein; darauf bereiten wir uns jetzt vor." Als eine Art "trotzigen Mut, ein 'Wir schaffen das!'" - so würden sie die Stimmung im Moment beschreiben.

Für sich habe sie akzeptiert, dass ein Teil des Chaos bleiben wird und zur Normalität dazu gehören wird, erzählt Kluge. "Die Flut wird uns auch dann noch beschäftigen, wenn der neue Estrich verlegt und die Wände frisch verputzt sind." Deswegen, betont Rosenzweig, dürfe man nicht bei der Klage, dem Schmerz und dem Schaden stehen bleiben, so berechtigt und wichtig das auch sei. "Wir müssen und dürfen auch wieder Freude zulassen". Keiner dürfe ein schlechtes Gewissen haben, wenn es ihm wieder besser gehe. Deswegen auch das Motto des Gottesdienstes am Sonntag: "Bauen wir mit Hoffnungssteinen".

Im Gottesdienst gelten die aktuellen Corona-Bestimmungen. Verschiedene Unterstützungsangebote des Bistums Trier finden sich im Internet unter: https://www.dasein.bistum-trier.de/handeln/hochwasser


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