Eine der drei Kapellen der Christus-Kirchengemeinde Kleinich befindet sich ca. 3,5 km von der Hauptkirche Kleinich entfernt in der kleinen 290-Einwohner-Gemeinde Hochscheid. Diese Kapelle mit Sitzplätzen für etwa 50 Besucher wurde am 2. Oktober 1960 als Gotteshaus eingeweiht und ersparte fortan den Hochscheider Kirchgängern den weiten Weg über die trennende Hunsrückhöhenstraße B327 nach Kleinich.

In Wirklichkeit aber waren Errichtung und Einweihung dieses Kirchleins die Wiedergeburt einer älteren Kapelle, die noch 1529 dokumentiert ist, nach dem 30jährigen Krieg aber in Trümmern lag und auch noch 1743 als „Steinhaufen“ bezeichnet wurde. 1752 errichtete man dann einen neuen,, im Grundriss 4 x 4 m im Quadrat messenden und 8 m hohen steinernen Glockenturm, der bis heute der Kirche ihr äußeres Gepräge gibt.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts fügte man dem Turm einen Versammlungsraum an, allerdings keinen sakralen, sondern einen Schulsaal für die 1786 gegründete Winterschule. Für diese und andere profane Nutzungen – Kindergarten, Gerätelager, Probenraum für den Musikverein, provisorischer Wohnraum - blieb der Anbau erhalten, bis er schließlich im Jahre 1959 durch einen Neubau ersetzt und dem Kirchturm damit seine Kirche zurückgegeben wurde. Mit der am Erntedanktag des Jahres 1960 vom ganzen Dorf gefeierten Einweihung war aus der seit Generationen so genannten „Alten Schule“ wieder eine Dorfkirche geworden.

Die einzige Glocke im Turm mit dem Schlagton fis trägt die Inschrift: „Johann Burchart zu Trarbach Pfarher zu Clenich. Johann Schüßler Kirchenmeister. Anno MDCXXIX“ Somit weiß man mit 1629 zwar das Jahr des Glockengusses, aber nicht den Namen des Gießers. Im Dreißigjährigen Krieg ist die Glocke durch kaiserliche Truppen von Hochscheid ins heutige Traben-Trarbach verschleppt und dort auch in Dienst gestellt worden. Als sie zurück gegeben wurde, gab es keine Kirche mehr in Hochscheid, und man hängte sie in Kleinich auf. Von dort aus gelangte sie dann in den neuen, im Jahre 1752 errichteten Turm in Hochscheid, wo sie bis heute läutet.

Zwanzig Jahre lang wurde der Gemeindegesang von einem Harmonium begleitet, erst 1981 erhielt die Kapelle eine Orgel. Sie stammt aus der Werkstatt Gustav Cartellieri in Wittlich. In der künstlerischen Gestaltung des Kapellenraumes fällt eine Holzplastik auf, die in die Wand hinter dem Altar eingelassen ist und Jesus mit seinen zwölf Jüngern darstellt. Der Morbacher Bildhauer Klaus Rothe schuf dieses Werk aus uraltem Eichenholz aus einer abgerissenen Scheune.

Die Kanzelbibel, die noch heute in Gebrauch ist, ist ein Geschenk des evangelischen Theologen und damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier, der in diesen Jahren ein Jagdhaus im Hochwald besaß. Gerstenmaiers Widmung vom 27. September 1960 ist noch deutlich zu erkennen.