Die Palastaula

Rund 1,5 Millionen Ziegelsteine wurden gebraucht, um die 33 m hohen Mauern der römischen „aula palatina“ zu errichten. Die Mauerkrone der Seitenwände ist mit ihren 3,40 m so dick, dass dort sogar ein Kleinbus entlangfahren könnte, ohne abzustürzen.

Im Inneren war der Thronsaal kunstvoll ausgestattet. Heller Marmor bedeckte die Wände, gegliedert durch Marmorinkrustationen. Die römischen Baumeister achteten bei der Materialauswahl darauf, dass auch der dunkle Marmor von einer hellen Maserung durchzogen war und so gleichsam von innen leuchtete.

Anders als bei den meisten antiken Großräumen arbeitete die Raumgestaltung nicht den Gegensatz von Licht und Schatten heraus. Die Basilika sollte ein Raum aus Licht werden. Nur das schien angemessen für den „sedes imperii“, für die kaiserliche Residenz.

Eingebettet war der riesige Thronsaal in eine weitläufige Palastanlage. Es erstreckte sich wahrscheinlich bis zum heutigen Rheinischen Landesmuseums. Auch Teile des heutigen Stadtteiles Gartenfeld (Trier-Ost) gehörten mit großer Wahrscheinlichkeit zum Palastareal.

Für ein Jahrhundert blieb die Basilika als Palastaula der politische Mittelpunkt für den westlichen Teil des Abendlandes. Noch heute dokumentiert das gewaltige Bauwerk die Blüte, welche die Moselstadt in dieser Zeit erlebte.

Mit dem Imperium Romanum ging auch der Thronsaal unter. Im 5. Jahrhundert wurde Trier immer wieder von den Franken erobert und geplündert. Übrig blieb eine Ruine.

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Palatinum - Burganlage

Die Palastaula war, wie auch der größte Teil der römischen Großbauten, nach dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung im Römisch Reich dem Verfall preisgegeben.

Mit dem Übergang Triers in den Machtbereich der fränkischen Könige gelangte auch die Palastaula in die Hände der Franken. Zur Verwaltung der Besitztümer setzte der König einen Gaugrafen ein, der vielleicht auch seinen Sitz in der Palastaula, dem „Palatium“, nahm.

Im Verlauf des 10. Jahrhunderts verschoben sich die Machtverhältnisse zwischen weltlicher und geistlicher Herrschaft. Neben anderen Besitztümern fiel den Trierer Erzbischöfen auch die Ruine der römischen Palastaula zu.

Durch die Funktion als bischöflicher „Verwaltungssitz“ und Schutzburg sowie ab dem 13. Jahrhundert als erzbischöfliche Residenz bekam das Gebäude eine neue Nutzung.

Die Halle der Palastaula blieb jedoch ohne Dach. In dem so entstandenen Hof wurden mehrere Wirtschaftsgebäude errichtet. Ein noch heute erhaltener Weinkeller gibt davon Zeugnis.

Die Apsis wurde zu einem Turm umfunktioniert. Dieser diente seit dem Hochmittelalter den Erzbischöfen als Wohnstätte.

Die Mauerkronen waren zinnenbewehrt und über Ecktreppentürme begehbar. Hinter den Mauerkronen verliefen Wehrgänge. Die Fenster des Langhauses wurden zugemauert.

Diese Burganlage mitten in der Stadt war kaum einnehmbar. Wer sie besaß, der hatte im Zweifelsfall auch die Kontrolle über Trier.

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Die Schlossanlage

Der Abbruch begann 1614. Nicht nur die Ostwand und der größte Teil der Südwand der Basilika, sondern auch alle mittelalterlichen Ein- und Anbauten der kurfürstlichen Hofhaltung fielen dem Neubau des Schlosses St. Petersburg zum Opfer.

Lothar von Metternich (1599-1623) wollte, als er 1615 den Grundstein zum Neubau legte, ein fürstliches, zweckmäßig eingerichtetes Residenzschloss errichten – in Gestalt einer weitläufigen Vierflügelanlage mit einem zentralen Hof, der nun auch zwei Drittel des ehemaligen Innenraumes der römischen Palastaula einnahm.

Johann Philipp von Walderdorff (1756-1768) ließ den Südflügel zum Garten hin neu bauen – im Rokokostil. Im Gebäudeteil ist noch heute die von Johannes Seiz geschaffene Treppenanlage zu bewundern.

Der letzte Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1768-1794) verlegte seine Residenz nach Koblenz. Das Trierer Schloss diente den bischöflichen Soldaten als Kaserne. Bei dieser Nutzung blieb es, als die Franzosen 1794 die Moselstadt besetzten. Auch die Preußen belegten ab 1815 das kurfürstliche Palais mit Soldaten.

1835 gelangten die maroden Reste des ehemaligen römischen Thronsaales zusammen mit dem Schloss per Schenkung in das Eigentum des preußischen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. – Als Kirche wurde der ehemalige römische Thronsaal wieder aufgebaut.

Die übrigen Schlossteile blieben in militärischer Nutzung – bis zu ihrer Zerstörung am 14. August 1944. Seit dem Wiederaufbau 1956 dient das kurfürstliche Palais als Verwaltungsgebäude der Bezirksregierung, heute Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.

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Die Evangelische Kirche zum Erlöser

Fast bis zur Unkenntlichkeit deformiert. So präsentierten sich die Überreste des römischen Monumentalbaues zu Beginn der Preußenzeit. Durch den Umbau zum Schlossflügel war der einstige Raumeindruck völlig verloren gegangen.

Im Aufbau des Gebäudes in seinen einstigen römischen Raummaßen sah Friedrich Wilhelm IV, eine historisch einmalige Chance. Zum einen wollte der Preußenkönig mit dem Gebäude sichtbar anknüpfen an seinem großen Vorbild Konstantin. Zum anderen wollte er durch den Aufbau als Kirche sichtbar machen: Auch die Evangelische Konfession knüpft unmittelbar an die Tradition der urchristlichen Kirche an. Nirgendwo sonst gibt es eine evangelische Kirche in einem so alten Bauwerk!

1856 konnte die Evangelische Kirche zum Erlöser eingeweiht werden. Das spätklassizistische Bauwerk wurde im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstört. Übrig blieben die Außenmauern – und die von Gustav Kaupert geschaffenen Statuen, welche die Ädikulanischen hinter dem Altar schmückten.

Beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren wurden diese Figuren zerstört, Zeichen für die Geringschätzung des Klassizismus. Für die neue Kirche wurde eine steinsichtige Architektur bevorzugt. An den Steinen sollte die wechselhafte Geschichte des Gebäudes abgelesen werden können.

In Gegenwart des Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde die Evangelische Kirche zum Erlöser ein zweites Mal eingeweiht – am 9. Dezember 1956.

Im Jubiläumsjahr 2006 kehren die Überreste der von Gustav Kaupert geschaffenen Figuren in die Basilika zurück – als Reminiszenz an die Aufbauleistung der Preußen vor 150 Jahren.

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