Webandacht: Menschenwürde ist nicht verhandelbar

Es ist Zeit, klar Stellung zu beziehen. Menschenwürde ist nicht verhandelbar! Alle Menschen sind als Gottes Ebenbild geschaffen und haben daher ihre unantastbare Würde. Diese Überzeugung gehört für mich zum Fundament des christlichen Glaubens.
In ihrer Verschiedenheit sind alle Menschen gleich wertvoll. Herkunft, Religion, Aussehen, sexuelle Identität oder aufenthaltsrechtlicher Status ändern daran nichts. Grundwert christlicher Ethik ist die Nächstenliebe. Nächstenliebe muss konkret werden und damit letztlich politisch. Deswegen können Christinnen und Christen nicht unpolitisch sein – selbst wenn das manchen nicht passt. Nächstenliebe unterscheidet nicht. Sie gilt nicht nur für Menschen eines Volkes, oder innerhalb menschengemachter Grenzen. Das macht die Bibel unmissverständlich mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter deutlich. Dafür setzen wir uns ein. Wir stehen für eine Gesellschaft, die von Menschenwürde und Nächstenliebe geprägt ist. Rassismus und andere Formen der Diskriminierung haben da keinen Platz. Wir sind selbst offen und annehmend, weil wir uns von Gott angenommen und geliebt wissen.
Ich bin dankbar für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in unserem Land – bei allen Problemen und Herausforderungen, die es sicherlich gibt. Anderswo sind Freiheit und Sicherheit keine Selbstverständlichkeit. Wo es keine staatliche Autorität gibt, die die Bevölkerung schützt, müssen Menschen andernorts Zuflucht suchen. Aber auch unsere Demokratie braucht die Unterstützung und Wertschätzung der Bürger*innen. Als Christinnen und Christen setzen wir uns ein für das Gemeinwohl und für eine Gesellschaft, die die Rechte von Ausgegrenzten und Minderheiten schützt. Schon Paulus schrieb: „Wir wollen uns für das einsetzen, was dem Frieden und dem Aufbau unserer Gemeinschaft dient.“ (Römer 14, 19) Wir können und werden uns nicht heraushalten.

Pfarrer Matthias Ratz, Trier
(Angelehnt an die Broschüre „Zehn Überzeugungen zu Flucht und Integration“ der EKD, 2023)