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Fachtagung „Geförderte Rückkehr im Freistaat Thüringen“ am 09. Februar 2022

Am 09. Februar fand zum 4. Mal die Fachtagung "Geförderte Rückkehr im Freistaat Thüringen" statt. Aufgrund der anhaltenden pandemischen Situation wurde diese als Online-Veranstaltung durchgeführt. Veranstalter* war das "Kompetenzzentrum Rückkehr" (KR) des Diakonischen Werkes der Ev. Kirchenkreise Trier, Simmern-Trarbach und An Nahe und Glan gGmbH.

Neben den Vertretern des Ministeriums für Migration, Justiz und Verbraucherschutz des Freistaates Thüringen (TMMJV), Stefan Zabold und Romina Stambasky, begrüßte der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, Carsten Stumpenhorst, die Rückkehrberater aus Kreisen und kreisfreien Städten des Freistaates Thüringen und teilweise auch aus Rheinland-Pfalz (zu den Ländervorträgen zugeschaltet), Vertreter des Caritasverbandes, der Internationalen Organisation für Migration (IOM), der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie die Länderreferenten und weitere Interessierte aus der Praxis.

In seinem Grußwort ging Stefan Zabold, Leiter des Referats 21 "Ausländer und Asylrecht" des TMMJV auf die lange Tradition der Rückkehrberatung in Thüringen ein. Schon vor 12 Jahren, damals noch im Innenministerium angesiedelt, wurden Gespräche mit dem Caritasverband Erfurt geführt, um eine ergebnisoffene Rückkehrberatung zu gewährleisten. Der derzeitigen Rückkehrberatungsstruktur im Freistaat stellte Herr Zabold ein gutes Zeugnis aus. Die geplante weitere Intensivierung der Zusammenarbeit der diversen Akteure sah Herr Zabold als zielführend an. Zum Abschluss wünschte Herr Zabold der Veranstaltung einen erfolgreichen Verlauf und bedankte sich beim KR für die Organisation der Veranstaltung.

Friedrich Einwich, Projektleiter des "Kompetenzzentrum Rückkehr" stellte zunächst das Team mit Katja Nel de Boer und Bettina Munding vor.

Friedrich Einwich blickte auf das vergangene Jahr mit seinen Herausforderungen zurück, legte die Rückkehrerzahlen des Jahres 2021 dar und verwies auf das für den30. März 2022 geplante Praxis-Netzwerktreffen in Thüringen, das als Präsenzveranstaltung geplant ist.

Thomas Peter vom Caritasverband für das Bistum Erfurt e.V. stellte die Rückkehrberatungsstruktur des Caritasverbandes in Thüringen vor. Mit 4 Hauptstandorten und weiteren 6 Büros ist der gesamte Freistaat gut abgedeckt. Ferner ist jeder Hauptstandort spezialisiert (Syrien-Rückkehr, MEDA-Fälle, Großfamilien, psychosoziale Problemlagen). Die Rückkehrberatungsstellen der Behörden können gerne die Beratungsunterstützung der Caritas in Anspruch und ihre Klienten auf die Caritas Rückkehrberatung verweisen.

Dr. Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV). berichtete über die aktuelle Situation im Norden des Irak und Syrien. Durch die Vielzahl der vielen Interessengruppen, die sich in diesem Gebiet bewegen, ist es schwierig eine Aussagedarüber zu treffen, ob die Rückkehr in diese Region sicher sein wird und nachhaltig gestaltet werden kann.

Nathalie Kasparek von IOM stellte die Anpassungen bei den Förderprogrammen REAG/GARP und StarthilfePlus vor. Ein weiterer Aspekt ihrer Ausführungen waren die Schulungsangebote der IOM und die Outreach-Aktivitäten.

Sarah Reinhard, Reintegrationsscout der GIZ für Thüringen, zeigte die Unterstützungsmöglichkeiten des Scouts für Rückkehrberater auf. Ferner gab sie einen kurzen Überblick über aktuell angebotene Reintegrationsvorbereitungskurse, z.B. von Solwodi.

Prof. Dr. Dirk van den Boom von Micado Migration gGmbH gab einen intensiven Einblick in die Situation in Nigeria. Das Land mit über 200 Mio. Einwohnern verzeichnet ein sehr starkes Bevölkerungswachstum. Die Bevölkerung ist sehr jung und hat mit den unterschiedlichsten Herausforderungen zu kämpfen. Die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sind sehr schlecht, die Zukunftsperspektiven unsicher. Deshalb fühlen sich viele Menschen gezwungen das Land zu verlassen. Menschen aus Nigeria, die keine Aufenthaltsperspektive in Deutschland haben, ist es schwierig von einer geförderten Rückkehr zu überzeugen, denn der Erfolg von Reintegrationsangeboten ist von vielen Unsicherheiten geprägt.

Am Ende der Veranstaltung erbat sich Ibrahim al Hamad, ein Vertreter des ebenfalls durch das TMMJIV und den AMIF geförderten Projektes "MIRA" kurz das Wort, um u.a. darauf hinzuweisen, dass MIRA ebenfalls Rückkehrberatung für verschiedene Länder anbietet und sie somit auch die Rückkehrberatenden in den Behörden sowie vor allem deren Klienten unterstützen können.

Von allen Referenten erhielten die Rückkehrberater hilfreiche Informationen für die tägliche Beratungspraxis. 31% der Teilnehmer beurteilten die Veranstaltung mit "sehr gut", der Rest mit "gut". Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und besonders beiden Referenten für dieses schöne Ergebnis und den kurzweiligen, informativen Austausch.

10.02.2022 F. Einwich

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich und weiblich verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.