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100 Tage Hochwasser - Die Diakonie bleibt.

Über hundert Tage ist die katastrophale Hochwassernacht her. Seitdem stehen Diakonie RWL und Diakonie Katastrophenhilfe an der Seite der Betroffenen. 15 Millionen Euro wurden für Soforthilfen, Trockner und psychosoziale Beratungen ausgegeben oder sind fest verplant. Doch jetzt kommt der Winter. Mit einem Wärmeprojekt helfen wir denen, die keine Heizanlagen mehr haben.

Mehr als hundert Tage nach dem Jahrhundert-Hochwasser ist der Schutt in vielen Innenstädten zur Seite geräumt. Straßen und Brücken können befahren werden. Und es scheint wieder so etwas wie Alltag möglich zu sein. Dennoch wird es noch Jahre dauern, bis Betroffene wieder  in ein normales Leben zurückkehren können, bis die Infrastruktur in ihren Städten und Gemeinden wieder steht. Deshalb bleibt die Diakonie - mindestens für die nächsten 600 Tage.

"Die Menschen in den Regionen brauchen unsere Unterstützung", zieht Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke eine erste Zwischen-Bilanz. "Nicht nur jetzt und in den nächsten Monaten, sondern über Jahre hinweg." In Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz hat der Wiederaufbau gerade erst begonnen. In vielen Orten ist noch nicht klar, welche Häuser wieder errichtet werden können und wer dafür aufkommt.

Mehr als nur finanzielle Unterstützung

"Bereits in den ersten Tagen nach dem Hochwasser war klar: Wir wollen den Menschen ganzheitlich helfen und nicht nur Geld geben", sagt Ulrich Christenn, Leiter des Zentrums Fundraising. 3,2 Millionen Euro hat die Diakonie an Soforthilfen ausgezahlt, rund 7.000 Haushalte wurden erreicht. Dabei geht es nicht nur ums Geld: Ob im Ahrtal, an der Sauer oder in Ehrang – die Mitarbeitenden der Diakonie haben ein offenes Ohr für alle Nöte.

"Wir sind in unseren Beratungsdiensten mit vielen Einzelschicksalen konfrontiert – neben den materiellen Schäden haben viele auch sehr hohe psychische Belastungen davongetragen. Wir versuchen neben finanzieller Hilfe auch diese zu lindern. ", berichtet Carsten Stumpenhorst, Geschäftsführer beim Diakonischen Werk Trier und Simmern-Trarbach. Viele Menschen sind schwer traumatisiert. Immer wieder über die Erlebnisse zu reden, ist wichtig. In neun Regionen ist die Diakonie mit mobilen Teams unterwegs, die psychosozial geschult sind und denen ein Seelsorger oder eine Seelsorgerin der Evangelischen Kirche im Rheinland angehört.

"Das ist nur ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Diakonie Katastrophenhilfe, lokalen diakonischen Einrichtungen, der evangelischen Kirche im Rheinland und der Diakonie RWL", betont Kirsten Schwenke. Durch die gute Infrastruktur und Vernetzung erreichten Kirche und Diakonie alle betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. "Und die Menschen können in den ihnen vertrauten Einrichtungen Unterstützung bekommen."

Beratung auch bei den staatlichen Anträgen und dem Wiederaufbau

Bislang hat die Diakonie RWL rund ein Drittel der eingegangenen Spendengelder ausgegeben oder fest verplant. "Schon jetzt ist klar, dass Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in ihren Wiederaufbauhilfen nur 80 Prozent der Schäden erstatten", sagt die Diakonie RWL-Vorständin. "Die verbleibenden 20 Prozent sind für viele Menschen nicht allein zu stemmen." Hier werden Diakonie Katastrophenhilfe und Diakonie RWL finanziell unterstützen.

Auch beim Stellen der Anträge steht die Diakonie an der Seite der Betroffenen. In den diakonischen Beratungsstellen wird zuerst geschaut, was die Versicherungen übernehmen, um dann einen Antrag beim Land zu stellen. "Außerdem verweisen wir auf unsere Haushaltsbeihilfen für eine neue Einrichtung." Bisher sind etwa 620 Anträge eingegangen. Bis zu 5.000 Euro erhalten Betroffene, um zumindest einen Teil der zerstörten Möbel oder Geräte zu ersetzen.

Die Diakonie in Trier baut aktuell ein Fluthilfeteam auf, dass den Menschen in der Region bei den aufgeführten Herausforderungen zur Seite stehen soll. Nachdem bereits bei der Anschaffung von Trocken- und Heizgeräten für Trier-Ehrang und auch durch Auszahlungen von Soforthilfen unterstützt wurde, ist für weiterführende Aufgaben ein eigenes solches Fachteam erforderlich. „Ungeachtet dessen bleiben wir natürlich auch weiterhin in unseren Regelberatungsdiensten auch für Klienten*innen, die von der Flut betroffen waren, erreichbar.

Egal ob es um Heizungen, Wiederaufbauhilfen oder eine psychosoziale Beratung gehe. "Ich erlebe häufig, dass Betroffene Unterstützung ablehnen, weil sie meinen, dass es anderen schlechter gehe. Aber auch ein abgesoffener Keller kann existenzielle Probleme mit sich bringen." Fest steht: "Auch in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren gehen wir auf die Menschen zu und bieten gezielt Hilfe an."

Text: Ann-Kristin Herbst
Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. - Diakonie RWL