Discussion Forum https://ekkt.ekir.de/ Discussion forum feed en-US ℗ & © Your Organization Sat, 18 Jun 2022 08:30:00 +0200 TYPO3 v4 CMS Religion & Spirituality Lautes Lachen https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&amp;tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=633 <p class="bodytext"> &quot;Na, Sie sehen in Wirklichkeit ja besser aus, als auf dem Bild&quot;, begrüßt mich der Mann am Eingang einer Kirche, als ich meinen Namen sage. Ich muss laut loslachen. So ein Kompliment hat mir auch noch niemand gemacht. &quot;Psst&quot;, sagt der Mann, &quot;wir sind in einer Kirche&quot;. Da würde ich schon wieder gerne laut loslachen, aber das muss ich mir jetzt verkneifen. Hier soll wohl eine Form gewahrt, die besagt: In der Kirche wird nicht laut gelacht. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr frage ich mich, ob ich darüber nun weinen oder lachen soll. Ist Gott etwa humorlos? Oder sind es eher die Menschen, die in der Kirche sind oder dort arbeiten? Der Mann am Eingang hat ja anscheinend durchaus Humor, sonst hätte er mich nicht zum Lachen gebracht. Hindern uns also die Konventionen daran? In der Bibel steht: &quot;Wenn Gott es zum Guten wendet, dann wird Lachen unseren Mund erfüllen.&quot; Das heißt doch: Wenn wir Gutes erfahren, dann lachen wir aus vollem Hals. Dann darf es auch schon mal laut sein und andere anstecken. Und deshalb will ich es nicht akzeptieren, dass in der Kirche nicht gelacht werden darf. Trotz mancher Ernsthaftigkeit, um die es da oft geht. Schließlich wird in der Kirche auch getrauert. Oder Menschen kommen mit ihren belastenden Erfahrungen, um einen Moment der Stille zu haben. Um in Ruhe zu beten und mit Gott ins Gespräch zu kommen. Dazu gibt es leider auch Erfahrungen mit der Kirche, also vor allem mit Menschen in der Kirche, die einen nicht gerade zum Lachen animieren, sondern traurig und manchmal auch sprachlos zurücklassen. Und es gibt Gelegenheiten, die mich fröhlich stimmen. Dann kann aber auch gelacht werden, finde ich. Vielleicht ist es bei Gott am Ende so ähnlich wie bei mir: Der sieht in Wirklichkeit auch besser aus, als ich oder andere manchmal über ihn denken. Gott hat Humor und bringt Menschen zum Lachen. Gerade dann, wenn ich Gutes erfahre. Und manchmal auch, wenn ich ein unerwartetes Kompliment bekomme, das helle Freude in mir auslöst. <br /><br /><i>Dr. Jörg Weber, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier </i></p> joerg.weber@ekkt.net (Dr. Jörg Weber) Sat, 18 Jun 2022 08:30:00 +0200 https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=633 Lautes Lachen Welches Alter? https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&amp;tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=632 <p class="bodytext">Montagmorgen - wir Kollegen schmunzeln, wie oft man uns altersmäßig falsch einschätzt. &quot;Da bin ich mit über 50 immer noch ein junger Mann!&quot;, sagt einer. &quot;Ach&quot;, scherze ich, &quot;das ist nix. Jahrelang war ich die junge Kollegin. Ab Sonntag hab ich offiziell einen jüngeren Kollegen und nächstes Jahr bin ich wohl die Älteste im Team. Ich durfte nie so alt sein, wie ich eigentlich war.&quot; - &quot;Oh, darüber muss ich erst mal nachdenken.&quot; - &quot;Keine Sorge&quot;, sage ich, &quot;alles ok. Alter ist nur ne Zahl!&quot; Wir arbeiten weiter. Abends fällt es mir wieder ein: &quot;Ich durfte nie so alt sein, wie ich eigentlich war.&quot; Was ist das Alter? Ich kenne junge Menschen, die unglaublich alt sind und umgekehrt. Am nächsten Tag frage ich Ette, die weise Vierährige von Freunden. &quot;Wann ist man alt?&quot; Sie erklärt mir: &quot;Also, Vanessa, mit 50 ist man alt. Wenn man alt ist, klettert man nicht mehr auf dem Spielplatz. Aber du, bist nicht alt. Nur sehr groß.&quot; Ich muss lachen - letzte Woche auf dem Spielplatz sagte ich ihr: &quot;Ich würde gerne klettern, aber Er-wachsene dürfen das nicht.&quot; Fand sie blöd. Jetzt unterscheidet sie fein: &quot;Du bist nicht alt - nur groß.&quot; Was für eine Einsicht! Sie hat verstanden: Alter ist nicht nur eine Jahreszahlen, sondern auch Lebenserfahrung. Die Bibel kennt das Altersproblem. Propheten, die sich selbst für zu unerfahren, also zu jung einschätzten und andererseits Menschen mit hohem Alter, also viel Lebenserfahrung. Methusalem war nicht wirklich 969 Jahre alt, hatte aber viel Lebenserfahrung. Meine Alter? Alt bin ist erst, wenn ich nicht mehr klettere und ... das tu ich noch gerne. Ich bin halt nur groß. Oder aber ... ich muss gar nicht immer so alt sein, wie ich eigentlich bin. Das ist ne Chance! </p> <p class="bodytext"><i>Pfarrerin Vanessa Kluge, Ehrang</i></p> vanessa.kluge@ekkt.net (Vanessa Kluge) Sat, 14 May 2022 10:00:00 +0200 https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=632 Welches Alter? Muttertag https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&amp;tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=631 <p class="bodytext">An diesem Sonntag feiern wir Muttertag. Die Mütter stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. </p> <p class="bodytext">Die ganze Familie ist bestrebt, der Mutter eine Freude zu bereiten. </p> <p class="bodytext">Die einen greifen auf kommerzielle Angebote zurück, schenken Blumen, Pflanzen oder Süßigkeiten, andere tun der Mutter einen besonderen Gefallen, indem sie sich im Haushalt mehr engagieren als üblicherweise. Auch der gemeinsame Ausflug ins Grüne ist beliebt. Wichtig ist, dass sich das Geschenk an den Bedürfnissen und Wünschen der Mutter ausrichtet und von Herzen kommt. Da zählt das Sträußchen Wildblumen, das ein Kind pflückt und der Mutter strahlend überreicht genau so wie das teure Essen im Restaurant. </p> <p class="bodytext">Dieses Jahr schiebt sich ein neuer Aspekt in den Vordergrund: Die Sorge ukrainischer Mütter um ihre Angehörigen in der Heimat. Es gehört zum morgendlichen Ritual, sich über die Lage vor Ort zu informieren und mit den Verwandten Kontakt zu halten. Vor allem die bange Frage: Lebt mein Sohn noch? treibt die Mütter um. Ich gehe davon aus, dass diese Frage auch russische Mütter stellen. Dass sie sich nichts sehnlicher wünschen, als dass ihre Söhne lebend zurückkommen. </p> <p class="bodytext">Sicher würde sich ein großer Wunsch erfüllen, wenn ihre Söhne den ganz normalen Alltag leben könnten statt in einen Angriffskrieg gezwungen zu werden. </p> <p class="bodytext">Nicht nur in diesem Krieg, sondern weltweit fürchten Mütter um das Leben ihrer Kinder. </p> <p class="bodytext">Hunger, Versklavung, keine Chance auf Schulbesuch und Ausbildung, sowie ein eigenständiges Einkommen für sich selbst bilden eine Spirale der Hoffnungslosigkeit. </p> <p class="bodytext">Ich bin davon überzeugt, dass wenn es nach den Wünschen der Mütter ginge, dann wären wir auf dem Weg hin zu einem Leben in Würde, Gerechtigkeit und Frieden schon ein großes Stück weiter. . </p> <p class="bodytext"><i>Elke Füllmann-Ostertag, Pfarrerin i.R., Börfink</i></p> elfo@hotmail.de (Elke Füllmann-Ostertag) Fri, 06 May 2022 14:22:00 +0200 https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=631 Muttertag Hoffnungstrotz https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&amp;tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=630 <p class="bodytext"> &quot;Ostern geht noch nicht&quot;, diesen Satz las ich kurz vor den Feiertagen irgendwo... und er hat mich eine ganze Weile begleitet. Ostern geht noch nicht. Oder? Wann geht Ostern? Wenn endlich Frieden ist? Wenn keine Verordnung oder Schutzmaßnahme mehr greifen muss, weil endlich die Pandemie vorbei ist? Ja, mir liegt in diesen Tagen nicht nur ein Stein auf dem Herzen. Und macht mir das Herz und manchmal auch den Mut ziemlich schwer... - An Ostern geht es auch um Steine. Oder vielmehr um einen Stein. Um einen riesengroßen sogar. Den Stein vor Jesu Grab. Die Oster-Geschichte erzählt es: Dieser schwere, große Felsbrocken wird weggerollt. Plötzlich ist das Grab nicht mehr verschlossen. Auf einmal ist es leer - und Jesus auferstanden von den Toten. Das konnten seine Freundinnen und Freunde zunächst gar nicht fassen. Brauchten Zeit, um zu verstehen, was das heißt. Gott ist also auch im Tod da und im Leiden. Gottes Liebe ist unverrückbar. Während der Tod nicht unverrückbar als Letztes stehen bleibt: Plötzlich ist der Stein weg! Gottes Liebe ist stärker als der Tod, das feiern wir an Ostern. Die Enge eines Grabes, einer schier ausweglosen Situation... wird trotz aller Unwahrscheinlichkeit plötzlich zur Weite. Neues ist möglich. Weil die Liebe stärker ist als der Tod. Weil die Liebe alles verwandeln kann. - Mein Wunsch zu Ostern? Mögen uns Steine von den Herzen fallen! Dass sie weich werden - und Frieden und Gerechtigkeit zulassen können. Dass sie weit werden - für den Mut und die Kraft und die Hoffnung, die es in diesen Tagen braucht. - Ostern geht noch nicht? Doch! Ostern geht. Gerade jetzt. In allem. Und trotz allem. Mit einer gehörigen Portion Hoffnungstrotz. Und weil ich weiß: Gott ist da. Bei uns. Bei allen Menschen. Mitten in allem Unwägbaren. In allem Entsetzen. In allem Grauen. Und ebenso in allen schönen und hoffnungsvollen Dingen. Und ich will trotzen. Trotzig sein. Voller Hoffnungstrotz und mit weichem, weitem Herzen dieser unserer Welt begegnen. Ostern geht! Jetzt! <br /><br /><i>Pfarrerin Maike Roeber, Trier </i></p> maike.roeber@ekkt.net (Maike Roeber) Sun, 17 Apr 2022 05:00:00 +0200 https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=630 Hoffnungstrotz Leben mit Karfreitagen https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&amp;tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=629 <p class="bodytext">Morgen ist Karfreitag. Karfreitag ist aber nicht nur vor Ostersonntag. Karfreitag ist auch an einem Mittwochabend, als ein Mensch stirbt einfach so. Oder an einem Donnerstag im Juli, als ein Fluß zum reißenden Schlammstrom wird, der sich durch den Ort frisst. Oder am kühlen Februarmorgen, als erste Bomben detonieren. Karfreitag ist manchmal mitten im Alltag, da wo Leben mit aller Wucht in tausend Stücke bricht. Darüber nachdenkend räume ich die schlammigen Flutweinflaschen weg, die ich letztes Jahr solidarisch gekauft hatte. Sie erinnern mich an zerbrochenes Leben, an diese Karfreitagsmomente. An die Hände Sterbender, die schwächer werden, aber in meinem Herzen da sind. An die Bilder von all dem verschlamm-ten Leben und so vielen Erinnerungen, die weggeworfen werden mussten. An die Flüchtenden, mit dem Leben davon gekommen, sind sie hier in Sicherheit und bangen um die Ihren Daheim. Ich stelle die letzte Flasche weg. Unter dem Schlamm schimmert auf dem Etikett hindurch: &quot;Auf das Leben!&quot; Auf das Leben? Ich schlucke. Das beißt sich! Auf das Leben? Das zerbrochenen Leben? Das Leben mit seinen Karfreitagsmomenten? Puh. Ich lese die Karfreitagsgeschich-ten in der Bibel und die Texte der alten Passionslieder. Langsam schiebt sich ein anderer Gedanke hinzu: mit all den Karfreitagserfahrungen bin ich nicht allein. Nicht heute und nicht im Alltag. Ich erkenne Gott, der nicht die Augen verschließt vor Todesangst und Schlammlawinen und Flucht und Krieg. Ich sehe Gott, der mit mir leidet, klagt, weint. So stelle ich die Flasche ins Weinregal und denke &quot;Gott, die trinke ich erst, wenn ich sagen kann: auf das Leben mit seinen Karfreitagen, die auch mitten im Alltag sind.&quot; Heute aber noch nicht. </p> <p class="bodytext"><i>Pfarrerin Vanessa Kluge, Ehrang<br /></i></p> vanessa.kluge@ekir.de (Maren Vanessa Kluge) Thu, 14 Apr 2022 08:00:00 +0200 https://ekkt.ekir.de/{$siteURL}index.php?id=73&tx_wecdiscussion%5Bsingle%5D=629 Leben mit Karfreitagen