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Nach dem Hochwasser: Wie es in rheinischen Gemeinden aussieht

„Das Wasser sitzt noch immer in den Wänden, und es steckt – bildlich gesprochen – den Menschen in den Überschwemmungsgebieten noch in den Knochen“, sagt Präses Dr. Thorsten Latzel. Mitte September, acht Wochen nach dem verheerenden Unwetter vom 14. und 15. Juli, ist er wieder durch das Kirchengebiet gereist. Ein Überblick über drei Tage und die aktuelle Lage an Kyll, Erft, Inde, Ahr und Wupper. Zu Gast war Präses Latzel unter anderem auch in der Kirchengemeinde Ehrang.

Aus den Fluten gerettete Noten sind wellige Zeugen der Katastrophe. Bild: ekir.de

Trier-Ehrang: Drinnen wohnt die Not

„In den Straßen sieht es fast schon wieder aufgeräumt auf“, sagt Pfarrerin Vanessa Kluge beim Besuch von Präses Latzel in ihrer Gemeinde in Trier-Ehrang: „Draußen mag das stimmen, aber drinnen wohnt die Not.“ Das kleine Flüsschen Kyll hat im Juli für die Überschwemmung gesorgt. 70 bis 80 Zentimeter beträgt der Wasserstand normalerweise. Daraus wurden durch den Starkregen katastrophale acht Meter.

Im vom Wasser nahezu eingeschlossenen Stadtteil hat die Kirchengemeinde – ökumenisch gut vernetzt – sofort mit der Hilfe begonnen. Davon erzählen die beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden bei der Begegnung mit dem Gast aus Düsseldorf im Gemeindesaal. Sie zeigen Bilder von der Überflutung. Ein Luftbild des überschwemmten Ortes beeindruckt Latzel tief: „Ich bekomme eine Ahnung, wie schlimm es war.“ Wie schlimm es war, berichten Einzelne an konkreten Beispielen. Presbyterin Simone Ziegler erzählt von den Lebensmitteln und Hilfsgütern, die sie organisiert und verteilt hat. (>>Video) Der pensionierte Organist der katholischen Partnergemeinde St. Peter hat auf einem Tisch die Notenbücher und Partituren ausgebreitet, die er aus seinem überfluteten Keller gerettet und getrocknet hat – wellige Zeugen, die die Flutkatastrophe fühlen und riechen lassen. Die Männer und Frauen erzählen vom Heizöl, das mit dem Wasser in Boden und Wände gezogen ist und stinkt. Sie berichten von den Plünderungen, die es gegeben hat, während das Ehranger Krankenhaus evakuiert wurde.

Die Ehranger berichten auch von den aktuellen Sorgen: Wie wird es ab Herbst mit dem Heizen? Wie kann zielgerichtet den sozial besonders bedürftigen Menschen geholfen werden? Wie wird sich der Ort durch die Katastrophe verändern? Einen zentralen Platz will die Gemeinde auch im Verbund mit anderen im Stadtteil schaffen, an dem sich die Menschen treffen und reden können. Thorsten Latzel hört zu, berichtet, dass man dafür auch Projektmittel über die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe bekommen kann. Was er mitnimmt von seinem Besuch in Trier-Ehrang? Ganz sicher auch den Satz: „Seelsorge ist das, was am meisten gebraucht wird.“ An entsprechender Hilfe arbeiten Landeskirche und Diakonie gerade. So sollen Seelsorge- und Beratungsteams in verschiedenen Regionen eingesetzt werden, um genau an diesen Stellen für die Menschen da zu sein. Und der Präses nimmt aus der morgendlichen Andacht von Pfarrerin Kluge ganz viele „selige Momente“ mit – Momente des Glücks, der Hoffnung und des Humors, die es in der Katastrophe auch gab und immer wieder gibt. (>>Video)

Weitere Berichte aus den Kirchengemeinden:

>>Adenau

>>Bad Neuenahr-Ahrweiler

>>Sinzig

>>Erfstadt

>>Inden-Langerwehe

>>Eschweiler

>>Bad Münstereifel

>>Wuppertal-Beyenburg

>>Solingen-Unterburg

>>Reiseeindrücke im Video


Text: Andreas Attinger, Aaron Clamann, Jens Peter Iven // ekir.de

Bilder: Jens Peter Iven

Videos: Marcel Kuß

 

 


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