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Schonender Umgang mit Ressourcen Aufgabe der nächsten Jahre – Herbsttagung der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier

Trier/EKKT – Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises ist am Samstag, 7. November 2020, zu ihrer Herbsttagung zusammengekommen – aufgrund der aktuellen Lage fand diese als Videokonferenz-Synode statt. Im Mittelpunkt der Beratungen der rund 80 Kreissynodalen standen Haushaltsplanungen, Wahlen sowie der Jahresbericht des Superintendenten – dieser machte auf eindrückliche Weise auch die Aufgaben der Kirche der nächsten Jahre deutlich.

Eröffnete die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier mit ihrer Andacht - Pfarrerin Anna-Christina Schmidt von der Evangelischen Kirchengemeinde Wittlich

Wahlen
Auf der Tagesordnung der Herbstsynode standen auch Wahlen. Die Kreissynode wählte zunächst Hardy Warneke, 58 Jahre, aus der Evangelischen Kirchengemeinde Gerolstein-Jünkerath in den Kreissynodalvorstand – der ehemalige Berufssoldat übernimmt das Amt des Stellvertretenden Synodalältesten der Region Eifel im Kirchenkreis Trier. Bereits seit 2011 ist Warneke in seiner Gemeinde engagiert – zunächst als Lektor, seit 2014 zudem als Presbyter, darüber hinaus ist Warneke seit Sommer dieses Jahres stellvertretender nichttheologischer Abgeordneter für die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland. Im Anschluss daran wählte die Synode die kreiskirchlichen Ausschüsse, Gremien und Synodalbeauftragungen neu.

Jahresbericht des Superintendenten
Die Aussprache zu seinem Bericht eröffnete Superintendent Dr. Weber zunächst mit großem Dank – an all diejenigen, die in diesem Jahr in der Kirche unter „äußerst erschwerten Bedingungen sehr schnell Neues ausprobiert, Altes bewahrt und für Kontinuität trotz Ungewissheit gesorgt haben“, so Weber. Corona sei „ein Katalysator für vieles“, betonte Weber  – und verwies darauf, wie wichtig es besonders in diesem außergewöhnlichen Jahr sei, die richtigen Fragen zu stellen. Die weltweite Krise beschleunige „Entwicklungen und Vorgänge in einem Maße, dass wir kaum hinterherkommen.“  Im Vordergrund stünde die Erfahrung, dass „kirchliche Prozesse in diesem Jahr einer enormen Beschleunigung unterzogen waren, die wir kaum erwartet hätten. Es geht um finanzielle, personelle und materielle Auswirkungen.“

Oft werde erst im Angesicht des Verlustes klar, wie bedeutsam Ressourcen seien und was passieren könne, wenn sie nicht mehr oder nur sehr begrenzt verfügbar seien. „Es ist überdeutlich geworden, dass wir auf das eine und das andere verzichten müssen.“ Daher stelle sich die Frage: „Was brauchen die Menschen wirklich von uns?“ Für Weber seien es die fünf Punkte, die auch schon Grundlage des Pfarrberufes seien: Verkündigung, Seelsorge, Bildung, Diakonie und Leitung. „Das sind die Essentials.“

Kirche ist seelsorgliche Kirche
Diese hätten, erläuterte Weber, in diesem Jahr eine besondere Interpretation erfahren. Zum Beispiel in der Verkündigung mit Gottesdiensten, die im Internet übertragen werden. Das Überraschende dabei sei gewesen, dass es dezentral passierte und genau das so gut angekommen worden sei. „Die Menschen wollen ihre Kirchen, ihre Gemeinden und ihre Pfarrerin oder ihren Pfarrer vor Ort sehen.“ Seelsorge war und sei genauso wichtig. Viele Gespräche fanden statt, zum Teil zwar auf Abstand oder per Telefon oder Video, aber sie fanden statt. Und dies habe deutlich gemacht: „Kirche ist seelsorgliche Kirche.“

Kirche und das Reden von Gott sind existenzrelevant
Corona habe zudem die Erkenntnis beschleunigt, dass in allen Lebensbereichen Bildung, Kommunikation sowie das kluge Vermitteln von Bildung von hoher Bedeutung seien.
Zu nennen sei hier auch der Religionsunterricht – er sei der festen Überzeugung, erklärte Weber, dass die Kompetenzen der Wahrnehmung und Deutung von existenziellen Fragen nirgendwo so präzise und hinreichend­­ gestellt und bearbeitet werden könnten wie im Religionsunterricht. Hier werde deutlich, dass „Kirche und das Reden von Gott existenzrelevant“ seien.

Theologisch verwies Weber angesichts all dieser Fragen auf Martin Luther wie auch auf den Schweizer Theologen Karl Barth. Beiden sei es darum gegangen, Gott Gott und den Menschen Mensch sein zu lassen und die durch Christus in die Welt gesetzte Freiheit des Menschen durch Gottes Gnade als Summe der Theologie zu betonen.

Nach Luther lebt kein Mensch für sich allein, „sondern in aller Freiheit im Glauben an Christus und in aller Liebe für seinen Nächsten.“ An Aktualität gewinne diese Fragestellung dadurch, dass sie das Tun für den Nächsten im Alltag der Welt als Freiheit qualifiziere, so Weber. „Gerade das merken wir doch heute: Wer sich selbst schützt, schützt andere. Freiheit ist die Freiheit auch der anderen und gerade nicht allein des eigenen Willens.“

Darin läge, erläuterte Weber, der „theologiegeschichtliche Schatz der Erinnerung für uns heute, wenn die Frage nach der Wirksamkeit Gottes in der Coronakrise neu gestellt wird“. Es sei dabei wichtig, sich klar zu machen, dass der Mensch die Verantwortung trage für das, was er tut. „Von Gott für das Leben in dieser Welt befreit zu sein heißt nicht, dass wir schuld- oder verantwortungslos handeln würden.“ Nach Weber geht es angesichts dieser Situation in Coronazeiten gerade darum, an die Unverfügbarkeit, die Dialektik der Nähe und Ferne Gottes zu erinnern und gemeinsam Formen der Suche nach Gott, der Klage und Bitte zu finden.

Gott ist bei uns, auch in Krisenzeiten
Trotz all dieser Ambivalenzen im Leben, die gerade in der Krise verstärkt deutlich würden, sei ihm die Zuversicht wichtig, dass „Gott bei mir, bei uns ist. Ich bin nicht alleine. Gott ist bei mir, auch in Krisenzeiten. Aber ich bin ein Mensch und kenne die Zeiten des Zweifels an allen Ecken und Enden“, betonte Weber. „Und dazu brauche ich die Erkenntnis, dass diese Krise Dinge aufzeigt, die sich in Kirche und Gesellschaft ändern werden. Dass wir lernen müssen, hier und da zu verzichten, mit unseren Ressourcen schonend umzugehen. Mit unserer Lebenswelt wie mit den menschlichen, finanziellen und materiellen Ressourcen in der Kirche. Das ist unsere Aufgaben der nächsten Jahre.“

Entscheidend seien die Menschen, „die den Glauben in unserer Kirche weitertragen und in Verkündigung, Seelsorge, Bildung und Diakonie authentisch leben. Sie stellen die Beziehungen her, um die es in der Kirche geht, und ohne sie geht es nicht“.

Hier zum Download: Jahresbericht 2020 von Superintendent Dr. Jörg Weber, Evangelischer Kirchenkreis Trier

Evangelischer Kirchenkreis Trier (EKKT)
Der Evangelische Kirchenkreis Trier ist die Gemeinschaft der protestantischen Kirchengemeinden in den Regionen Eifel, Eifel-Mosel, Trier, Hunsrück sowie Saar-Hunsrück. Er gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) sowie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kreissynode setzt sich aus rund 80 Abgeordneten der 19 Kirchengemeinden sowie Vertretern der Arbeitsbereiche und Einrichtungen zusammen. Der rund 5.000 Quadratkilometer große Kirchenkreis ist der flächengrößte in der Rheinischen Landeskirche und erstreckt sich von Gerolstein bis Hermeskeil und von Bitburg bis Kleinich. Derzeit gehören rund 54.000 Mitglieder zur Evangelischen Kirche in diesem Gebiet. Die Kreissynode tagt in der Regel zweimal im Jahr. Sie entscheidet über die inhaltliche und finanzielle Arbeit des Kirchenkreises.


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