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Präses zum Reformationstag: „Kirche braucht Mut, neue Wege zu gehen“ - Manfred Rekowski fordert Gläubige in Predigt zu Miteinander auf

Neunkirchen (30. Oktober 2020). „Der Reformationstag kann im Sinne Martin Luthers nur ein Christusfest sein. Und ein Christusfest feiert man am besten gemeinsam.“ Diese klare Botschaft zum Miteinander der Konfessionen stellt Manfred Rekowski, Präses der rheinischen Kirche, ins Zentrum seiner Predigt während des Reformationsgottesdiensts der Kirchengemeinde Neunkirchen (Saarland) am Samstag, 31. Oktober.

Bild: EKiR/Eric Lichtenscheidt

"Das ist kein modernes Phänomen" Beispielhaft dafür steht laut Rekowski die Gemeinde in Korinth, von der die Bibel berichtet. Spannungen unter den Mitgliedern drohten sie zu spalten. Der Apostel Paulus erinnerte sie an die Basis der christlichen Gemeinschaft: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1. Korinther 3, 11). "Streitigkeiten sind also kein modernes Phänomen. Umso wichtiger ist es, dass die Gemeinden mit- und nicht nebeneinander arbeiten", sagt Rekowski laut Predigtmanuskript.

Christliche Hospize und ökumenische Notfallseelsorge als gute Beispiele "Dort, wo es uns gelingt, in versöhnter Verschiedenheit miteinander Zeugen der Liebe Gottes zu sein, sind wir auf einem guten Weg", betont Rekowski. Gute Beispiele dafür seien christliche Hospize, ökumenische Notfallseelsorge oder die ökumenisch getragene ambulante Pflege im Saarland. "Dieses Bemühen um die Einheit der Kirche, um Versöhnung und Verständigung zwischen den Gemeinden wird uns am Reformationstag besonders ans Herz gelegt", sagt er während des als Präsenzveranstaltung gefeierten Gottesdienstes.

"Wohin geht unsere Kirche?" Dabei blickt Rekowski auch auf das Reformationsjubiläum 2017 zurück: "Die Kirchen fühlten sich 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag aufgerufen, ihre Trennungen zu überwinden und ihre Gemeinschaft sichtbar zu manifestieren." Drei Jahre später fragt er aber auch: "Was bleibt? Was hat sich verändert? Wohin geht unsere Kirche?" Diese Fragen gelte es gemeinsam zu beantworten. Denn: "Wir verlieren als Kirchen, die in wichtigen Äußerungen nicht zusammenfinden, nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern verlieren auch das feste Fundament der Kirche, Jesus Christus." Dieses Fundament bedeute, dessen Leben als Vorbild zu nehmen und somit unter anderem leidenden, hungernden und von der Gesellschaft ausgegrenzten Menschen zu helfen.

Vielfältige Herausforderungen
Um all das zu schaffen, "braucht es Freiheit und den Mut, neue Wege zu gehen. Die Herausforderungen sind vielfältig", sagt Präses Rekowski. "Schaffen wir es, uns aus den bewährten Strukturen zu lösen und die Menschen dort zu erreichen, wo sie sind?", nennt er eine von vielen Fragen. All das habe Martin Luther in die berühmten Worte gefasst: "Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten. Unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachkommen werden's auch nicht sein: Sondern, der ist's gewesen, ist's noch und wird's sein, der da sagt: ,Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.' "

Gottesdienst im Martin-Luther-Haus
Der Gottesdienst im Martin-Luther-Haus in Neunkirchen startet um 19 Uhr. Musikalisch gestaltet wird er von den Musikgruppen des Gemeindebezirks Furpach/Kohlhof sowie Peter Littner an der Orgel. Liturg ist Pfarrer Uwe Schmidt aus Neunkirchen, Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost.

Stichwort: Reformationstag
Am Reformationstag erinnern Protestantinnen und Protestanten an den Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther am 31. Oktober 1517. Dann kam es jedoch zum Streit, weil Martin Luther einige Glaubensbelange und Anweisungen des Papstes für falsch hielt. Mit seiner Kritik stieß er Veränderungen an, die zum Entstehen der evangelischen Kirchen führten.


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