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Umkehren zum „buen vivir – guten Leben“ - Ökumenischer Gottesdienst zum Buß- und Bettag in der Konstantin-Basilika Trier

Trier – „Umkehr braucht eine positive Vision, die Attraktivität der besseren Alternative.“ Das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann am Buß- und Bettag (20. November) 2019 in der Evangelischen Kirche zum Erlöser – Konstantinbasilika in Trier betont. Ackermann ging in seiner Predigt der Frage nach, was Buße angesichts der Klimakrise bedeuten kann. Hier komme die Botschaft des Glaubens ins Spiel, denn der Glaube biete Bilder der Hoffnung und Visionen einer besseren Welt.

Feierten gemeinsam ökumenischen Buß- und Bettagsgottesdienst in der Konstantin-Basilika in Trier - Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, und Bischof Dr. Stephan Ackermann, Trier.

Der Bischof sagte, er verstehe Buß- und Bettag nicht bloß als eine Gewissenserforschung für den Einzelnen, sondern "für uns als Kirche und als Gemeinwesen insgesamt": "Wir bekennen öffentlich, dass wir an vielen Orten und in vielen Situationen nicht so leben, wie es der gute Schöpfergott gedacht hat und wie es den Menschen und der ganzen Schöpfung guttut." Zwar sei ein Gottesdienst keine Veranstaltung der Fortbildung oder der Politik, aber bei diesem Thema spürten viele Menschen mehr als bei anderen politischen oder gesellschaftlichen Themen, dass es ihren Glauben berühre, "weil es wesentlich mit unserem Bild der Welt, der Schöpfung, des Menschen, des gerechten Zusammenlebens und der Zukunft unseres Planeten zusammenhängt".

Erschütterung führt zu Umkehr

Ackermann erinnerte daran, dass den Menschen der nördlichen Hemisphäre längst bewusst sei, dass es eine Reduzierung des Energieverbrauchs und eine Änderung des Lebensstils brauche. Trotzdem falle es schwer, neue Wege zu beschreiten. Oft gelinge es nur, wenn eine Katastrophe bereits eingetreten sei: "Was zur Umkehr führt, ist Erschütterung!" Und selbst dann brauche es zusätzlich eine positive Attraktivität, die helfe, die Trägheit und Bequemlichkeit zu überwinden und nicht einfach auf der eingeschlagene Linie weiterzugehen. Bei der Frage nach der Umkehr gehe es um eine Bewegung, die für das Evangelium und damit für das Leben aus dem Glauben zentral ist, erläuterte Ackermann. "Wenn wir Buß- und Bettag feiern im Angesicht der Klimakrise, dann ahnen wir, dass die Veränderungen, die es für eine positive Zukunft unserer Erde braucht, so tiefgreifend sind, dass wir dabei nicht bloß auf Technologien der Wissenschaft setzen können." Ebenso seien die emotionalen und spirituellen Schichten des Menschseins gefragt. Die Kraft der Glaubensbotschaft sage, "dass die wahre Fülle des Lebens nicht erkauft werden kann oder muss: Die Schönheit der Schöpfung ist uns geschenkt, die Gabe des Lebens, die Erfahrung Gottes in Situationen, die uns über uns hinausreißen".

Kraft zur Umkehr aus dem Glauben schöpfen

Bischof Ackermann nannte den Gedanken des "buen vivir", des "guten Lebens", der im Zusammenhang mit der Amazonassynode häufig genannt wurde, als gute Maßgabe: "Die Vorstellung des 'buen vivir' verfolgt ein Gleichgewicht der Natur, den Abbau von sozialer Ungleichheit, eine solidarische Wirtschaft und eine Demokratie, die auf Beteiligung setzt." Man dürfe nicht glauben, die Welt ökologisch zu retten, indem man nur gegen die Umweltverschmutzung arbeite. "Es gibt eben auch eine Innenweltverschmutzung, die ihre Auswirkungen nicht nur auf uns persönlich hat, sondern auch konkret nach außen tritt." Papst Franziskus schreibt in der Enzyklika "Laudato sí": "Jede Verletzung der bürgerlichen Solidarität und Freundschaft ruft Umweltschäden hervor." Die Kraft für die Umkehr dürften die Gläubigen aus dem Glauben schöpfen. "Gott legt uns nicht auf unsere Fehler fest. Er ist bereit, neue Wege zu gehen. Das bietet die Chance zu Umkehr und Veränderung. Auf diesem Weg sind wir nicht allein, sondern er begleitet uns."

Umkehr ist möglich

Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, hatte zu Beginn des Gottesdienstes den früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann zitiert, der bereits 1976 gesagt habe, es "kann uns nicht beruhigen, dass es uns noch so gut geht". Er selbst, bekannte Rekowski, gehöre zu einer Generation, "die alle Fakten kennt und seit Jahrzehnten um die Gefahren des Klimawandels weiß". Die Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gehörten zu seinem Alltag und dem vieler Gläubigen, betonte der Präses, und verwies auf die zahlreichen Kirchentage, auf denen diese Fragen schon behandelt worden seien. Gleichzeitig habe er das Gefühl, diese Themen seien "in die Jahre gekommen". Die "Fridays for Future" hätten neue Bewegung gebracht, indem die jungen Leute auf die Klärung der so drängenden Fragen drängen. Der Gottesdienst am Buß- und Bettag erinnere daran, "dass wir umkehren können, dass es noch nicht zu spät ist", und er ermutige dazu, "dass wir durch die Tür gehen, die Gott uns offen hält".

Seit über 40 Jahren feiern Katholische und Evangelische Kirche gemeinsam den Abend des Buß- und Bettages mit einem ökumenischen Gottesdienst. Neben Bischof Ackermann und Präses Rekowski wirkten in dem Gottesdienst Superintendent Dr. Jörg Weber (Evangelischer Kirchenkreis Trier), Dechant Ralf Schmitz, Pastoralreferentin Theresa Heinz und Pastoralreferent Thomas Kupczik (Dekanat Trier) sowie Assessor Pfarrer Thomas Luxa und Bettina Dreher (Evangelische Kirchengemeinde Trier) mit. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst 2019 von Kirchenchören aus Biewer und Ehrang unter der Leitung von Kantor Axel Simon, dem Chor Singflut St. Matthias unter der Leitung von Kantorin Jutta Thommes sowie von Kirchenmusikdirektor Martin Bambauer an der Orgel.


Bischöfliche Pressestelle Trier
21.11.2019


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