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Die nächste Generation der Partnerschaft - Trierer Pfarrer zur UCC-Begegnungsreise in den USA

Migration, Klimawandel, Rassismus: drei der ganz großen Themen unserer Zeit standen auf dem Programm der „Next Gen“-Tagung in den USA. Drei ganz große Themen, denen sich junge Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Nichttheologinnen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten gestellt haben – unter ihnen auch Pfarrer Matthias Ratz aus Trier. „Next Gen“ steht für Next Generation, also die nächste Generation. Seit über 25 Jahren besteht die Kirchengemeinschaft zwischen der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in Deutschland und der United Church of Christ (UCC) in den USA. Unsere Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) unterhält konkrete Partnerschaften mit der Wisconsin Conference, der Penn Central Conference (Pennsylvania) und der Southern Conference (North Carolina und Südost-Virgina). Da die Landeskirche von Berlin-Brandenburg ebenfalls mit zweien dieser Conferences partnerschaftlich verbunden ist, sind zwei deutsche Landeskirchen beteiligt.

Die Gruppe von Next Gen mit Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (5.v.l.) sowie dem Conference Minister der Southern Conference USS, Dr. Edward Davis (ganz links) und dem Associate Conference Minister Eddie Weathers (ganz rechts)

Gespräch über Klimawandel im Büro der Southern Conference UCC mit Conference Minister Dr. Edward Davis

Die Begründer und langjährigen Träger dieser Partnerschaften sind mittlerweile vielfach im Ruhestand. Next Gen soll die Partnerschaft weiterführen und zukunftsfähig machen. Vor zwei Jahren hat es einen ersten Besuch der jungen Amerikaner in Düsseldorf, Wuppertal und auf dem Kirchentag in Berlin gegeben. In diesem Sommer stand der Gegenbesuch in North Carolina an.

Fünf aus dem Rheinland, drei Berliner, zwei aus Wisconsin und zwei dauerhafte sowie weitere punktuelle Teilnehmende aus North Carolina waren für eine Woche zusammen unterwegs und im Gespräch. Die eingangs genannten großen Themen bildeten inhaltliche Schwerpunkte. Wir trafen eine Pastorin, die sich mit ihrer Gemeinde für Migranten einsetzt und schon mehrfach Kirchenasyl gewährt hat. Die besondere Härte in den USA ist, dass Menschen, die mitunter seit Jahrzehnten im Land wohnen, Steuern zahlen, eigene Unternehmen führen, keinen entsprechenden Aufenthaltsstatus haben und nun mit aller Macht des Staates ausgewiesen werden sollen. Klimawandel ist auch in den USA ein Thema, obwohl kaum jemand bisher von Greta Thunberg gehört hatte. Die Staaten gehören weiterhin zu den größten CO²-Produzenten weltweit und verursachen Unmengen an Müll. Selbst das Geschirr unseres Mittagessens nach dem Gespräch über Klimawandel wurde einfach weggeschmissen; grundsätzliche Themen des Umweltschutzes sind bei vielen Menschen längst nicht im Bewusstsein. Gleichzeitig haben wir eine Kirchengemeinde besucht, die 75% ihres Energiebedarfs über eine eigene Solaranlage deckt. Rassismus spielt in den USA weiterhin eine große Rolle - und überschneidet sich natürlich mit dem Thema Migration. Aber auch Umweltschutz hat eine rassistische Komponente, wenn Mülldeponien und Giftmüllentsorgungen in der Nähe der Wohngebiete der afro-amerikanischen Bürger angelegt werden. Der Besuch des Civil-Rights-Museums in Greensboro vermittelte einen Eindruck in den Beginn der Bürgerrechtbewegung in den 1960er Jahren, deren Ziele - das wurde im Gespräch mit afro-amerikanischen Pfarrerinnen und Pfarrern deutlich - noch längst nicht erreicht sind.

Neben den gesetzten Themen war Next Gen vor allem eine Begegnungsreise. Junge Kirchenvertreterinnen und -vertreter von beiden Seiten des Atlantiks lernten sich kennen, diskutierten wichtige Inhalte, sprachen über ihren Glauben und hatten viel Spaß zusammen. Davon hat sich auch die rheinische Oberkirchenrätin Barbara Rudolph überzeugt, die die Gruppe für einen Tag besuchte. Wir können sicher sein: die Kirchengemeinschaft wird weitergehen. Auch Next Gen geht weiter: 2021 in Berlin-Brandenburg.

Text und Bilder: Pfarrer Matthias Ratz


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