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Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt

Trier - Für Oberstufenschüler*innen des Auguste-Victoria- und Max-Planck-Gymnasiums in Trier organisierte das Schulreferat des Kirchenkreises eine Autorenlesung mit Alois Prinz.

Hannah Arendt (1906-1975) ist eine der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie war eine jüdische deutsch-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin. Sie war unter anderem als Journalistin und Hochschullehrerin tätig und veröffentlichte wichtige Beiträge zur politischen Philosophie. Sie wollte aber nie als "Philosophin" bezeichnet werden. Sie sprach eher von "Politischer Theorie" und sie betonte, dass sie als Historikerin arbeite.
Arendt studiert in Marburg, Freiburg und Heidelberg bei Heidegger, Husserl und Jaspers Philosophie und promoviert bei Jaspers über den 'Liebesbegriff' beim Kirchenvater Augustin. Sie ging eine Liebesbeziehung mit dem Philosophen Martin Heidegger ein, die unglücklich endend zu einer Auseinandersetzung mit ihrer deutsch-jüdischen Identität führte.

Nach der Berichterstattung über den Eichmann-Prozess, eckte sie mit ihrer Deutung an. Ging man bisher davon aus dass hinter dem Bösen eine dämonische Willenskraft stünde, entdeckte sie in Eichmann einen Bürokraten, der als Rädchen in einer Vernichtungsmaschinerie funktionierte. Sie lachte Eichmann aus und eckte damit an. Überhaupt ist ihr wissenschaftliches Werk den Ursprüngen von totaler Herrschaft und Antisemitismus gewidmet.

Die Wiederbegegnung mit Deutschland im Jahre 1950, von den USA kommend, erfüllt sie mit Trauer. Sie findet den Mangel an politischer Aufarbeitung der vergangenen Ereignisse erschreckend.
Ihre öffentlichen Stellungnahmen zu politischen Ereignissen waren häufig unter Gegnern, aber auch Freunden umstritten; ihre Zivilcourage wurde oft als Unnachgiebigkeit wahrgenommen und bekämpft. Den Zwängen der Zeit setzen ihr Leben und Denken eine Haltung der Unabhängigkeit und Freiheit entgegen. Ihre Lebensgeschichte liest sich wie ein Plädoyer für Mut und Engagement, wie ein Loblied auf die Freundschaft und die Liebe zur Welt.

Ekkehard Lagoda


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