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Es ist Land in Sicht – Projekte des Evangelischen Kirchenkreises Trier weisen in die Zukunft der Kirche

Schweich – Eine mobile Kirche, die zu den Menschen fährt, ein Luther-Kunst-Projekt in sieben Kirchen und eine Kirche, die im Wortsinn zum Mittelpunkt des Dorfes wird, Gottesdienste an gänzlich ungewöhnlichen Orten und ein Ort für Geflüchtete und Einheimische, Junge und Alte – die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier hat sich am Samstag, 26. Mai 2018, mit der Zukunft der Kirche in ländlichen Räumen beschäftigt und dabei zehn besondere Projekte aus der Arbeit ihrer Gemeinden und Einrichtungen in den Blick genommen.

Stehen stellvertretend für viele engagierte Haupt- und Ehrenamtliche aus den Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Trier, und geben mit ihren innovativen Projekten der Kirche der Zukunft ein überaus freundliches Gesicht! v.l. Superintendent Dr. Jörg Weber, Pfarrer Thomas Luxa, Kirchengemeinde Trier, Ekkehard Lagoda, Schulreferat, Pfarrerin Anja Zimmermann, Hottenbach-Stipshausen, Rhaunen-Hausen, Sulzbach, Annetrude Wettstein, Kirchengemeinde Wittlich, Jutta Raab, Kirchengemeinde Ehrang, Pfarrer Christoph Urban, Konz, Pfarrer Frank Meckelburg (dahinter), Kirchengemeinde Daun, und Pfarrer Peter Winter aus Saarburg (Bild: ekkt.de)

Mit der Frage, wie es um die Zukunft unserer Kirche bestellt sei, beschäftige sich der Kirchenkreis seit vielen Jahren, erläuterte Dr. Jörg Weber, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier in seiner thematischen Einordung des Themas. Neu sei jetzt auch die Beschäftigung mit der Zukunft der Kirche in ländlichen Räumen. Nicht nur die Einzelgemeinden, sondern auch die Regionen stünden dabei im Fokus, und mit der Entdeckung der Regionen kämen zunehmend auch Praxis und Herausforderung einer Kirche in ländlichen Räumen in den Blick. Die Frage, wie es weiterginge, beschäftige viele. "Ich bin aber durchaus der Meinung, dass wir hier gerade nicht auf einem absteigenden Ast sitzen, obwohl wir vor allem aus demographischen Gründen langsam weniger Kirchenmitglieder haben und so manches in der Arbeit angepasst werden muss", betonte der leitende Theologe des Kirchenkreises.

Für die Zukunft der Kirche von den Dorfkirchen lernen
Weber bezog sich in seiner Einführung unter anderem auch auf den Bonner Professor für praktische Theologie, Dr. Eberhard Hauschildt, der dies bereits im April anlässlich einer Tagung zum Thema "Digitale Chancen für die Arbeit der Kirche im ländlichen Raum" ebenfalls in Schweich ausgeführt hatte. Sein Resümee sei für Kirche auf dem Land durchaus verheißungsvoll, so Weber, die anstehenden Veränderungen könnten welche sein, die keine Nachteile seien, sondern etwas, "wo von der Kirche im Land neue und überraschende Wege erfunden werden". Daher gelte, wie Hausschild es prägnant formuliert hatte: "Für die Zukunft der Kirche von den Dorfkirchen lernen." Es müssten neue Formen kirchlicher Arbeit auf dem Land gefunden werden, dabei brauche es vor allem die "Weitung des Blickes auf diejenigen, die jenseits des inneren Kreises der Kirche lebten. Sie müssten stärker eingebunden werden, damit Kirche sich öffne", so Weber in Anlehnung an Hauschildt weiter. "Diese positiven Vorzeichen, dass das Land zum Vorreiter wird, nehme ich gerne als Antrieb für unsere Arbeit auf", betonte Weber.

Die Ressourcen für die Zukunft unserer Kirche liegen bei uns selbst
Für die Gestaltung der Arbeit auch in Zukunft sei es hilfreich, so genannte best-practice-Beispiele aus den Regionen des Kirchenkreises genauer in den Blick zu nehmen. Im Kirchenkreis Trier gebe es hervorragende Ideen und Projekte für Kirche auf dem Land, dabei sei der Kirchenkreis so ausdifferenziert, dass gegenseitiges Lernen möglich sei: "Die Ressourcen für die Zukunft unserer Kirche im Ländlichen Raum liegen bei uns selbst", so Weber.

Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten und kunstvolle Kirchen
Zehn Projekte aus den Kirchengemeinden und Einrichtungen im Evangelischen Kirchenkreis Trier zeigen, was es heißt, als Kirche auf dem Land innovativ in Erscheinung zu treten.So etwa die Mobile Kirche der Kirchengemeinde Daun - ein fahrbares, kleines, aber liebevoll ausgestattetes Kirchenmobil, das mit einem bewährten Team Haupt- und Ehrenamtlicher seit einigen Jahren schon durch die Eifel fährt und auch schon mal zum Gottesdienst direkt am Ufer eines Maares einlädt. Das Besondere: Auf diese Wiese kommen Menschen aus der großflächigen Gemeinden zu den Gottesdiensten, die sich sonst nicht zur einzigen in Daun gelegen Kirche auf den Weg machen würden. Zu Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten lud auch die Evangelische Kirchengemeinde Trier ein - im Reformationsjubiläumsjahr hieß es dort immer wieder raus aus den kirchlichen Mauern, hin zu den Orten, wo Menschen ihren Alltag verbringen: Am Arbeitsplatz, bei der Freizeitgestaltung. Ob im Kino, im Gewerbegebiet, oder im Freizeitgelände Petrisberg - die Trierer Gottesdienste waren wunderbare Gelegenheiten jenseits der gewohnten Räume Gott zu begegnen. Wie beispielsweise der Jazzgottesdienst im Lotto-Forum: Neben dem ungewöhnlichen Ort, war auch die Musik etwas besonderes: Statt klassischer Orgelklänge oder dem Kirchenchor spielte das Benedikt Schweigstill Quartett, Jazzstandard trafen Choräle, Swing traf geistliches Lied. Und während die Musik den Rhythmus des Tages angab, ließen Texte aus dem biblischen Buch Kohelet über den Rhythmus des Lebens nachdenken... Im Anschluss an den Gottesdienst wurde übrigens weitergeswingt - Wiederholung unbedingt erwünscht!

Kunst und Kirche als Erfolgsmodell
Über eine Wiederholung denken auch die Kirchengemeinden Hottenbach-Stipshausen und Rhaunen-Hausen, Sulzbach nach: Ihr Lutherprojekt "Ich gebe dir mein Wort", ebenfalls anlässlich des Reformationsjubiläums organisiert, hat zahlreiche Menschen in die sieben Kirchen des Pfarrverbundes gelockt, darunter viele, die sonst nicht in die Kirche gehen würden. Und das aus gutem Grund: Mit Festvorträgen, Vernissagen, dazu passenden Festgottesdiensten und Gemeindefesten an sieben Wochenenden in jeder der sieben Kirchen sowie einen großen und hochengagierten Team aus Haupt- und besonders Ehrenamtlichen wurde auf künstlerische, musikalische und theologische Weise eindrücklich deutlich, wie lebendig und kreativ das Wort Gottes und seine Gemeinschaft sein kann. Wie beispielsweise in Sulzbach: Liebevoll mit biblischen Zitaten beschriebene Bänder, die in einem eigens dafür konstruierten Gestell luftig in der Kirche hingen - und dann die Aufforderung an die Besucherinnen und Besucher, einfach mal hindurchzugehen: Das Wort Gottes wurde an diesem Tag im wahrsten Sinne "spürbar".

In Wittlich feierte gerade man in diesen Tagen mit einem Ökumenischen Gottesdienst an Pfingsten ein zehnjähriges Jubiläum: So lange schon besteht nämlich die Ökumenische Partnerschaftsvereinbarung zwischen Evangelischer Kirchengemeinde Wittlich und katholischer Pfarreiengemeinschaft. Ein gutes ökumenisches Miteinander gab es schon immer - das Erreichte zu erhalten, auszubauen, weiterzuführen, festzuschreiben war 2008 Absicht und Ziel der Vereinbarung. Und das mit Erfolg: Nicht nur an Pfingsten wurde unter dem Motto "Einander verstehen" deutlich, wie vertrauensvoll, selbstverständlich und kreativ Ökumene in Wittlich gestaltet wird. Ein besonderes Projekt macht dies unter anderem deutlich: Die Wittlicher Bibel vereint auf 220 Seiten handgeschriebene und oft kunstvoll verziert Bibelstellen, die für mehr als 100 Wittlicher, sowohl evangelisch als auch katholisch, eine persönliche und besondere Bedeutung haben.

Bauliche Realisierung eines evangelischen Leitbildes
Wird in Wittlich also mit Stift und Papier der Kreativität Ausdruck verliehen, ist es in Konz zur Zeit eher der Bagger, der eine wichtige Rolle spielt: Die Neue Mitte Konz-Karthaus ist ein ungewöhnliches Bauvorhaben, bei welchem die Evangelische Kirche durch verschiedene städtebauliche Maßnahmen zum Mittelpunkt eines neuen Dorfplatzes werden soll, den es so bislang noch nicht gibt. Das dazugehörige evangelische Gemeindezentrum wird zu einem Stadtteilzentrum, das vielfältig genutzt und belebt werden soll - nicht nur von der Gemeinde selbst. Weitere Akteure aus dem Quartier, wie beispielsweise die Diakonie mit ihrer Flüchtlingshilfe, aber auch Caritas und engagierte Konzer Vereine, sind eingeladen, sich, Angebote zu gestalten. Auf diese Weise soll der Leitgedanke der Evangelischen Kirchengemeinde Konz-Karthaus "Offen Evangelisch Sein" auch baulich realisiert werden. Die Kirche kommt in die Mitte des Dorfes und wird ganz praktisch offen auch für andere - Menschen, Gruppen und Anliegen. Und auch wenn es noch ein Weile dauern wird, dieses Großvorhaben umzusetzen, zeigte sich bereits beim vergangenen Stadtteilfest rund um die Kirche, dass der Plan aufzugehen scheint: Sollte ursprünglich das Fest in jedem Jahr an unterschiedlichen Orten stattfinden, war man sich einig: Wir bleiben an der Kirche, das ist doch unsere Mitte!

Eine neue Heimat
Zu einem Mittelpunkt geworden ist auch das Café Palaver in Waldrach im Ruwertal. Seit rund zwei Jahren treffen sich einmal im Monat Einheimische und Geflüchtete, Junge und Alte zu Austausch und Begegnung, Fragen rund um Religion, Kultur und Bildung stehen auf dem Programm - aber auch ganz praktische Unterstützung und Hilfe wie beispielsweise eine Pflanzenbörse oder der Tausch von gebrauchten Gegenständen aller Art bietet das Café. Auch das Palaver ist ein Kooperationsprojekt: Dahinter stehen die Verbandgemeinde Ruwer, die Evangelische Kirchengemeinde Ehrang sowie die Pfarreiengemeinschaft Waldrach, die als "Netzwerk Willkommen" die Integration und Mobilität von Flüchtlingen und Migranten vor Ort, die Verständigung zwischen Neuankömmlingen und Einheimischen im ländlichen Raum und den Aufbau eines Netzwerkes nachbarschaftlicher Hilfe fördern wollen.

Wie wichtig die Frage nach Heimat, egal ob alt oder neu gefunden ist, nimmt auch das gleichnamige Projekt des Schulreferat der Evangelischen Kirchenkreise Ober Nahe, An Nahe und Glan, Simmern-Trarbach und Trier in den Blick: Eine Ausstellung mit 16 RollUps und vielfältigem Begleitmaterial, unter anderem Filmausschnitte, Anregungen für Spiel und Diskussion mit Jugendlichen sowie Impulse für Andachten. Das Projekt Heimat passt in diese Zeit, in der über Kooperationen bis hin zu Fusionen nachgedacht wird und Verunsicherungen entstehen. Was ist Heimat? Verliere ich sie, wenn ich mein Dorf verlassen muss? Wenn ich im Nachbarort in die Kirche gehen soll? Heimat ist mehr als der Ort, in dem ich geboren wurde - all diesen Fragen spürt die aufwendig gestaltete Ausstellung nach und zeigt, dies ist ein Thema für jede Gemeinde vor Ort ebenso wie für den Diskurs mit der Zivilgesellschaft. Denn Heimat und Migration, Heimat und Integration, Heimat und moderner Staat in Europa sind nur einige der Aspekte dieser besonderen Ausstellung, die ausgeliehen und für die eigene Arbeit vielfältig eingesetzt werden kann.

Gottesdienst bleibt Zentrum der gemeindlichen Arbeit
Das Traditionelles zugleich auch zukunftsträchtig sein und Heimat bieten kann, zeigt das Gottesdienstprojekt der Kirchengemeinde Morbach. Seit bald 11 Jahren feiert die Gemeinde auf besondere Weise Gottesdienst - mit anhaltendem Erfolg. War der Auslöser ursprünglich der stete Rückgang der Besucherzahlen, setzt man heute auf junge Menschen, moderne Musik und die Hilfe moderner Technik, bietet lebendige Kindergottesdienstgruppen sowie ein anschließendes Kirchencafé an - deshalb und nicht zu Letzt dank der Unterstützung tatkräftiger Ehrenamtlicher wissen rund 70 bis 90 Besucher jeden Sonntag das Angebot zu schätzen und kommen gerne immer wieder. Manche selbst dann noch, wenn sie lange schon weggezogen oder im Falle der Kinder längst erwachsen geworden sind.

Gottesdienst ist nach wie vor ein zentrales Angebot der Gemeindearbeit - das weiß auch die Region Saar-Hunsrück. Die Kirchengemeinden Saarburg, Hermeskeil und Konz haben deshalb einen gemeinsamen Predigtplan für ihre Region entwickelt. Denn nicht nur dort wird es künftig immer herausfordernder jeden Sonntag Gottesdienste anzubieten - immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer und zugleich wachsende Aufgaben ließen die Pfarrer der Region diesen ungewöhnlichen Weg gehen. Die Gottesdienste werden nun aufeinander abgestimmt, jede Gemeinde feiert einmal im Monat Sonntag nachmittags Gottesdienst - so dass beide Gottesdienste von einem Pfarrer/einer Pfarrerin gehalten werden können. Und für viele Besucher ist die ungewöhnliche Zeit zudem ein besondere Anreiz, am Gottesdienst teil zunehmen. Darüber hinaus lernen die Gemeinden und ihre Pfarrer einander besser kennen, ein größerer Austausch und Zusammenhalt entsteht. Für die Pfarrer ist es zugleich Entlastung wie Bereicherung - und das geht auch den Gemeinden so: Einmal im Jahr gibt es mittlerweile einen gemeinsamen Gottesdienst, bei der jeweils eine der Gemeinden einlädt, den jedoch alle Pfarrer zusammengestalten. Ob auf einer Waldlichtung unter freiem Himmel an Himmelfahrt oder im Freilichtmuseum an Pfingsten - diese Gottesdienste, aus rein strukturellen Überlegungen geboren, sind mittlerweile ein fester, schöner und bereichernder Bestandteil in der Region Saar-Hunsrück.

Ehrenamtliche sind wichtiger Bestandteil der Arbeit - auch in der Zukunft!
Nachdem die Gemeinden ihre Projekte präsentiert hatten, dankte der Superintendent allen für "die Ideen und die Kreativität, diese Projekte zu entwickeln und durchzuführen." Dabei sei zum einen deutlich geworden, dass nicht nur die Pfarrerinnen und Pfarrer, die Presbyterien beteiligt seien, sondern eben auch "eine Menge Ehrenamtliche". Dies bekräftige noch einmal, dass der Blick der Kirche der Zukunft auf Haupt- und Ehrenamtliche gehe. Zum anderen seien vieler dieser Projekte nach außen gerichtet, und das zu Recht: "Wir müssen raus aus unseren Kirchenmauern. Und wir haben unsere Kirchen für andere zu öffnen, die sich eher selten bei uns blicken lassen."

Es ist Land in Sicht
Abschließend ermutigte Weber alle Beteiligten: "Seid einfach Kirche. Macht weiter so! Seid für die Menschen in den Gemeinden da, in der Nachbarschaft, überall da, wo Kirche präsent ist." Mit allen Ideen, aller Kreativität und allen Projekten. Und dabei gelte auch, so der Superintendent, eine große Fehlerfreundlichkeit und der Mut, sich auszuprobieren Erprobungsräume zu eröffnen. "Lasst uns mit einander erproben, wie es weitergehen kann. Denn die Zukunft der Kirche in ländlichen Räumen sind wir selbst. Also: Geht raus, denn es ist Land in Sicht."


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