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200 Jahre Karl Marx – Zeit für eine neue Perspektive

Trier – Mit einem Festakt ist am Freitag, 4. Mai 2018, das Jubiläumsprogramm anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer sowie Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, vor rund 1000 Gästen aus aller Welt in der Konstantin-Basilika in Trier eröffnet worden.

Eröffneten feierlich die Jubiläumsveranstaltungen: Jean-Claude Juncker und Malu Dreyer, hier gemeinsam mit ihrem Mann Klaus Jensen (v.l., Bild: ekkt.de)

Sprach zur Frage der Religionsfreiheit: Dr. Jörg Weber, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier

Kurt Beck, Prof. Dr. Beatrix Bouvier, Dr. Katharina Barley, Dr. Stephan Ackermann und Moderator Alexander Wasner bei der anschließenden Diskussion in der vollbesetzen Konstantin-Basilika

Gleich vier Ausstellungen zeigen unterschiedlichste Facetten zum Leben und Werk des am 5. Mai 1818 in Trier geborenen Philosophen: Das Rheinische Landesmuseum Trier, das Stadtmuseum Simeonstift Trier, das Museum Karl-Marx-Haus und damit verbunden die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie das Museum am Dom haben sich in einer einmaligen Kooperation zusammengefunden.

"Es ist ihnen gelungen, Karl Marx und sein Werk gekonnt ins Bild zu setzen", freute sich Malu Dreyer bei ihrer Ansprache - und betonte: "Die Verbrechen, die im 20. Jahrhundert in seinem Namen begangen wurden, können ihm nicht angelastet werden." Karl Marx sei ein streitbarer Denker gewesen, der mit seinen revolutionären Ideen von Wirtschaft und Gesellschaft die Welt verändert habe. Marx polarisiere, aber er verbinde auch, so Dreyer weiter. "Aufbauend auf den neuesten Forschungsergebnissen soll die große Landesausstellung einem breiten Publikum die Möglichkeit geben, sein Leben und sein Werk aus dem 19. Jahrhundert heraus zu verstehen und einzuordnen", erläuterte die Ministerpräsidentin abschließend.

Ein in die Zukunft denkender Philosoph
Der Präsident der Europäischen Kommission und Ehrenbürger der Stadt Trier, Jean-Claude Juncker schließ sich dem an: "Man muss Karl Marx aus seiner Zeit heraus verstehen." Er sei ein "in die Zukunft denkender Philosoph mit einem gestalterischen Anspruch" gewesen - und stehe heute für vieles, das er nicht zu verantworten habe. Aber: "Die Stadt und das Land hat Recht, an ihn zu erinnern - ohne verstehendes Erinnern wird aus der Zukunft nichts werden", so Juncker.

Dr. Jörg Weber, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier, verwies in seiner Begrüßung auf das bekannte religionskritische Wort des in Trier geborenen Philosophen Karl Marx "Religion ist das Opium des Volkes" und betonte, dass daran kein Theologe, schon gar nicht an diesem Tag und an diesem Ort, vorbei käme, denn "für Marx waren Emanzipation, Subjektwerdung und Vernunft Kriterien der Philosophie und des Menschlichen." Dass sich Theologie und Kirche dem berühmten Marxschen Diktum zu stellen hätten, habe einen aktuellen Grund: "Kirche und Theologie stehen in der Pflicht, der Debatte über Religion öffentlich Raum zu geben. Der Kritik - wie der Freiheit der Religion."

Religionsfreiheit ist ein notwendiges Grund- und Menschenrecht
Sowohl der biographische Hintergrund Marx' als auch die Religionskritik selbst stünden dabei Pate, so Weber weiter. Der Übertritt vom Judentum zum Protestantismus, die Erfahrung der Diskriminierung - für Weber weit mehr als eine biografische Randnotiz: "Für mich ist das der deutliche Hinweis darauf, dass umfassende Religionsfreiheit, wie wir sie in unserem demokratischen Staat verstehen und wie sie in unserem Grundgesetz verankert ist, ein eminent notwendiges Grund- und Menschenrecht ist, auf das wir nicht verzichten können." Die Erfahrungen der letzten Wochen, der Nachklang der Echoverleihung an Musiker mit antisemitischen Texten und vermehrt gewalttätige Übergriffe auf jüdische Mitbürger seien eine deutliche Mahnung und belegten die Aktualität dieser Fragen.

Darauf gebe es jedoch nur eine Antwort: "Freiheit und Kritik sind Grundpfeiler einer öffentlichen Religion. Dem geben wir als Kirche Raum in einem durchaus doppelten Sinn: mit diesem Festakt in diesem Raum, der Basilika. Und indem wir Raum für einen Diskurs über Religionsfreiheit geben", mahnte Weber eindringlich.

Trier und Karl Marx gehören zusammen
Anschließend diskutierten Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier, Dr. Katharina Barley, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Kurt Beck, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., sowie Prof. Dr. Beatrix Bouvier, die wissenschaftliche Leiterin der Karl Marx 2018 Ausstellungsgesellschaft unter Moderation des SWR-Kulturredakteurs Alexander Wasner. Das abschließende Grußwort sprach der Oberbürgermeister der Stadt Trier, Wolfram Leibe: "Wir in Trier haben Karl Marx als Bürger dieser Stadt eine große Verantwortung gegenüber - ihn zu hinterfragen, und zu fragen, was ist Urteil, und was Vorurteil", so Leibe. "Trier und Karl Marx gehören zusammen - ich freue mich auf eine intellektuelle Auseinandersetzung!"

Musikalisch beeindruckend eingerahmt wurde der Festakt von den Orgelimprovisationen Martin Bambauers, Kirchenmusikdirektor an der Konstantin-Basilika Trier.

Karl Marx - 1818-1883 - Leben. Werk. Zeit: Die Ausstellungen sind bis zum 21. Oktober 2018 zu sehen - alle weiteren Informationen unter:
www.karl-marx-ausstellung.de


Religionsfreiheit ist ein notwendiges Grund- und Menschenrecht - Das Grußwort von Superintendent Dr. Jörg Weber zum Download


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