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Gedächtnisfeier zum 80-jährigen Jahrestag der Reichprogromnacht im Caspar-Olevian-Saal

"Diese Veranstaltung war von Gott gesegnet", sagte Rabbiner Gerald Rosenfeld nach der einstündigen Feier. Ähnlich bewegt waren wohl alle jüdischen und christlichen Bürger unserer Stadt, die den Weg in den vollbesetzten Caspar-Olevian-Saal gefunden hatten, um mit ihm, Pfarrer i.R. Ulrich Dann (ev.), Pastoralreferent Thomas Kupczik (rk.) und Peter Bamler (Christlich-Jüdische Gesellschaft) der Nacht vom 9.11.1938 zu gedenken.

Ulrich Dann und Peter Bamler; alle Fotos: LL

Kreuz und siebenarmiger Leuchter "vereint"

Gerald Rosenfeld, Uli Dann, Thomas Kupczik (v.l.n.r.)

"Ich schäme mich, ja als Nachfahre der Täter von damals schäme ich mich!", so Ulrich Dann bei seiner Begrüßung. "Die Gräueltaten des 9. Novembers 1938 sind kaum vorstellbar!" so Dann weiter "... und das war erst der Anfang! ...". Eine schwere Stille folgte diesem Satz.

"Heute feiern die Nachkommen der Täter und die Nachkommen der Opfer gemeinsam dieses Gedenken. Gott sei Dank!" Wie eine Befreiung wirkte dieser Satz, mit dem Pfarrer Dann Rabbi Rosenfeld und die versammelte jüdische und christliche Gemeinde willkommen hieß.

Der Gräuel von damals setzte Rabbiner Rosenfeld Worte des 23. Psalm entgegen: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser..."
Und Pastoralreferent Thomas Kupczik zeigte den schwierigen Weg auf, den seine Kirche gegangen ist, bis sie 1975 zu einem offiziellen Bekenntnis ihrer Mitschuld kommen konnte.

Bei aller Erinnerung können und dürfen wir den heute immer noch oder wieder neu vorhandenen Antisemitismus übersehen! "Wir müssen Verantwortung dafür übernehmen, dass Juden heute und morgen in der BRD ohne Angst leben können!" Dazu sind drei Schritte notwendig, so Pfarrer Dann:
1. Wir müssen die Erinnerung pflegen, 2. wir müssen unsere Stimme erheben und rechtzeitig warnen und 3. wir müssen mutiger sein als Viele damals und eintreten für die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes.

Der Höhepunkt dieser eindrucksvollen Feier, die von einer Singgruppe der Pfarrei Hlg. Edith Stein unter der Leitung von Hildegard Knebel musikalischen bereichert wurde, war der Segen, der von den drei Liturgen gemeinsam der Gemeinde zugesprochen wurde.