Fragen zwischen Himmel und Hölle – Flüchtlingsarbeit von Kirchenkreis und Diakonie

Ist für das Diakonische Werk als Fachberaterin zuständig für die Beratung und Begleitung von Kirchengemeinden wie auch von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund: Patricia Schmidt-Luxa.

Sie kommen aus Syrien, Serbien, Eritrea, Afghanistan... Würde man die Herkunftsländer auf einer Weltkarte kennzeichnen, müsste man Markierungen bei vielen Ländern der Welt machen. Allein im vergangenen Jahr sind in Trier rund 10.000 Flüchtlinge angekommen. Ist ihre erste Station zunächst die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in der Dasbachstraße, heißt es für sie schon bald weiterziehen - in Wohnungen und Unterkünfte, verteilt auf alle Kommunen das Landes Rheinland-Pfalz. Die Situation für die Flüchtlinge, aber auch für die Menschen an den Orten, an denen sie untergebracht werden, ist nicht einfach. Der Evangelische Kirchenkreis Trier sowie das Diakonische Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach haben darum schnelle Hilfe beschlossen: Seit gut einem halben Jahr sind Pfarrerin Friederike Kuhlmann-Fleck, Pfarrer Christoph König sowie Patricia Schmidt-Luxa, Fachberaterin des Diakonischen Werkes, offiziell für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Trier zuständig. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt dabei auf der Unterstützung der Kirchengemeinden, die Flüchtlingshilfe anbieten oder anbieten wollen - aber auch pastorale Beratung und Seelsorge für Flüchtlinge gehört zu ihrem Auftrag. Jetzt, einige Monate nach dem Start des Projektes, wird deutlich: Die Aufgaben der drei sind vielfältig und ganz unterschiedlich - und vieles ist noch im Fluss.

Die Diakonie im alten Pfarrhaus

Evangelische Kirchengemeinde Konz, altes Pfarrhaus: Eigentlich steht es leer, das alte Pfarrhaus in Konz, noch berät die Gemeinde über Neugestaltung und Umbau. Doch nun herrscht seit einigen Wochen wieder reger Betrieb in den alten Mauern: Hier haben Pfarrer Christoph König und Patricia Schmidt-Luxa Räume bezogen, Schreibtische eingerichtet, einen Raum als Besprechungsraum hergerichtet, Bilder an die Wand gehängt - so wie die Weltkarte, die im Büro von Christoph König zu finden ist, und die nicht selten dazu dient, erst einmal zu klären, wo jemand herkommt. Patricia Schmidt-Luxa, für das Diakonische Werk als Fachberaterin zuständig für die Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Trier, beschreibt ihre Arbeit so: "Wir begleiten die Evangelischen Gemeinden im Kirchenkreis im Aufbau ihrer Flüchtlingsarbeit." Wie diese Begleitung aussehe, hänge stark von den jeweiligen Gemeinden ab, erläutert die gelernte Juristin, die zudem ehrenamtliche Erfahrung aus der Beratungsarbeit in der Dasbachstraße mitbringt. "Es kommt darauf an, was gewünscht ist, was für Ideen bereits vorhanden sind. Ich komme nicht mit fertigen Konzepten - ich begleite die Menschen. Und die geben das Tempo vor." Diese Begleitung erfolgt dabei vor Ort in den Gemeinden und kann ganz unterschiedlich aussehen. So gehen sowohl Schmidt-Luxa, wie auch ihre beiden Kollegen König und Kuhlmann-Fleck, beispielsweise in Presbyterien, um über ihre Arbeit zu informieren - oder es gilt, bereits entstandene Netzwerke in den Gemeinden zu begleiten. Sie sei "sehr angetan von dem vielfältigen Engagement in den Gemeinden", betont Schmidt-Luxa. Daneben ist sie selbst aber auch nicht selten im alten Pfarrhaus in Konz anzutreffen. Dort berät sie Flüchtlinge, die mit ganz unterschiedlichen Fragen und Problemen direkt zu ihr kommen: "Das ist ein weites thematisches Feld", so Schmidt-Luxa über die Bandbreite der Anfragen. Wichtig sei ihr dabei der enge Kontakt mit der Migrationsfachberatung des Diakonischen Werkes, die ebenfalls in Konz mit einer Außenstelle anzutreffen ist. Denn unabhängig davon, wie man die bürokratischen Hürden bewertet, so gilt doch: "Es müssen viele Dinge geprüft und bestimmte rechtliche Verfahren durchlaufen werden", erklärt Schmidt-Luxa. "Aber jeder muss freundlich und mit Respekt aufgenommen werden!" Und so macht sie sich aus ihrer Erfahrung heraus für einen wertschätzenden Umgang mit den ratsuchenden Menschen stark: "Das sind ja keine hilflosen Wesen, die hier herkommen", betont Schmidt-Luxa. Eines der Grundprobleme sei vielmehr nach wie vor die Sprache: "Es bräuchte flächendeckende kostenlose Sprachkurse für Flüchtlinge."

Pfarrer Christoph König, zuständig für pastorale Flüchtlingsberatung sowie Netzwerkarbeit für Kirchengemeinden und Einrichtungen in der Region. König ist zudem Synodalbeauftragter des Kirchenkreises für Migration.

Zuständig für Fragen zwischen Himmel und Hölle

König, der zuletzt über sechs Jahre als Gefängnisseelsorger in Wittlich und Trier tätig war und eine Seelsorge- und Beratungsausbildung sowie eine Supervisorenausbildung mitbringt, sieht die Flüchtlingsarbeit biblisch geboten: "Wenn das biblische Gottesprinzip das Handlungsprinzip ist, und Nächstenliebe gilt, dann wären wir nicht Kirche von heute, wenn wir das nicht umsetzen würden." Dann sei es zudem logisch, "wenn man interdisziplinär zusammensucht, was zusammengehört", erläutert König die enge Zusammenarbeit mit der Diakonie bei diesem Projekt. Sein Aufgabenschwerpunkt sei die pastorale Flüchtlingsberatung: "Ich bin tatsächlich für die Fragen zwischen Himmel und Hölle zuständig, wo es um Grenzerfahrungen geht, mit denen die Menschen hierher kommen." Es ginge um die Nöte, mit denen die Menschen zu ihm kämen, und darum, ein Stück weit mit ihnen zu gehen. "Und da wo ich nicht weiter kann, übernimmt dann das Diakonische Werk", beschreibt er das Zusammenspiel von Kirchenkreis und Diakonie. Warum aber das alte Pfarrhaus in Konz als zentrale Anlaufstelle für die Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis? Zum einen ist Konz eine Verbandsgemeinde mit bereits relativ hohen Zuweisungszahlen. Zudem ist es mit Blick auf die gesamte Region einigermaßen gut erreichbar. Eine Umfrage in den Gemeinden zu bereits bestehender oder geplanter Flüchtlingshilfe habe außerdem erste Schwerpunkte ergeben, "so dass wir dementsprechend von Konz aus den Kirchenkreis am besten bedienen können. Es hat natürlich mit der ganzen Region zu tun - aber letztlich auch mit der ganzen Welt", erklärt König. Sein Arbeitsalltag gestaltet sich entsprechend vielfältig. So steht als nächstes ein Besuch bei einer Frau und ihrer fünfjährigen Tochter an. Eine kleine Feier soll ausgerichtet werden, weil sie dankbar und froh ist, dass sie nicht mit ihrem Kind bei der Flucht ertrunken ist. Vor kurzem galt es, einen ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt in der Gemeinde in Hermeskeil mitzugestalten. Aber auch Netzwerkarbeit, beispielsweise vor Ort mit dem Interkulturellen Netzwerk in Konz, dem Runden Tisch Flüchtlingsarbeit in Trier oder den entsprechenden landeskirchlichen Stellen, gehört dazu - ebenso wie die Frage nach der Hilfe durch kundige Ehrenamtliche, ein immer wieder wichtiger Schwerpunkt der Arbeit.

Pfarrerin Friederike Kuhlmann-Fleck berät und begleitet Flüchtlinge ebenso wie Kirchengemeinden, Glaubenskurse sowie Ehrenamtsarbeit sind weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit.

Bedeutung der Ehrenamtsarbeit

Pfarrerin Friederike Kuhlmann-Fleck betont ebenfalls die Bedeutung der Ehrenamtsarbeit, die zwar bei der Diakonie bereits eine lange Tradition beispielsweise in Form der so genannten "Integrationslotsen" habe, in diesem Fall aber noch einmal neu zu durchdenken sei: "Das, was wir versuchen aufzubauen, ist Ehrenamtsarbeit in den Gemeinden. Die Ehrenamtlichen dort brauchen auch ein gewisses Know-How und Unterstützung bei der Koordination." Kulturelle Sensibilität sei entscheidend, so Kuhlmann-Fleck weiter. "Denn das ist eine Stelle, wo Interkulturalität passiert - wo es um Begegnung, nicht um Anpassung geht." Sie ist schwerpunktmäßig zuständig für die Region Trier. Dabei ist Kuhlmann-Fleck insbesondere für die pastorale, seelsorgliche Beratung von Flüchtling da: "Das Seelsorgliche ist entscheidend: Mit einem Menschen anzugucken, was ihm oder ihr auf der Seele liegt", beschreibt sie ihren Auftrag. Das sei nicht immer unbedingt christlich gebunden: "In der Seelsorge verstehe ich meine Aufgabe mehr als Wegbegleiterin denn als Wegweiser." Auch wenn die Grundmotivation dabei klar christlich sei, das was zähle, sei der Mensch, der einem gegenüber sitzt: "Christlich ausgedrückt ist man Zeuge für "Gottes-Da-Sein" auf dem Weg. Pastoralpsychologisch ausgedrückt ist es so, dass Menschen ihren eigenen Weg in dem Gegenüber finden, in dem sie sich spiegeln", so die Pfarrerin. Kuhlmann-Fleck, die vor ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe als Seelsorgerin im Ökumenischen Verbundkrankenhaus in Trier tätig war und eine Ausbildung in gestalttherapeutisch orientierter Seelsorge mitbringt, bietet deshalb seit Juli regelmäßig Beratung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus sowie im Café Basilika in Trier für Flüchtlinge an. Neben Themen wie Fluchterfahrung und der damit verbundenen persönlichen Situation geht's es aber auch um spezifisch Christliches. Kuhlmann-Fleck ist neben der Beratung zuständig für Glaubenskurse für Flüchtlinge in der Region Trier. "Ich bin beeindruckt davon, was viele Menschen bereit sind, für ihren Glauben einzusetzen und wie ernsthaft und tiefgehend sie sich damit befassen. Da können wir in unseren Gemeinden oft von lernen." Wie es dann ansonsten genau weitergeht - wer weiß. Für die Region Trier arbeitet sie ebenso wie König im Netzwerk der verschiedenen Institutionen und Angebote, und: "Ich wünsche mir eine ökumenische Zusammenarbeit." Nach den ersten Wochen in ihrem neuen Arbeitsfeld sei jedoch klargeworden: "Das Kontinuum in der Flüchtlingsarbeit ist, dass es keins gibt", beschreibt Kuhlmann-Fleck ihre Erfahrungen.

Die Welt ist und bleibt bunt

Eines ließe sich jedoch in jedem Fall festhalten: "Auch wer flüchten muss, bleibt Mensch - mit allen menschlichen Nöten und Problemen - Liebeskummer, Familienprobleme oder Trauer um Verstorbene. Es ist wichtig, jemanden nicht auf die Rolle als Flüchtling zu reduzieren", so Kuhlmann-Fleck. Und König ergänzt: "Wir wissen nicht, wie sich die Schwerpunkte verändern. Aber wir wissen, was wichtig ist: Seelsorgliche Beratung und Begleitung und die diakonische, praktische Hin-Geh-Struktur." Denn: "Wir arbeiten in der Welt für die Welt - und die Welt ist und bleibt bunt."


Hintergrundinformation - Flüchtlingsarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Trier

Auf ihrer Herbsttagung 2014 hat die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier beschlossen, Mittel aus dem Budget des Kirchenkreises aus den Haushalten 2015 und 2016 für pastoral-seelsorgerliche und diakonische Arbeit im Kirchenkreis für Flüchtlinge einzusetzen. In direkter Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach und damit in der interdisziplinären Kombination von kirchlicher und diakonischer Arbeit soll die Unterstützung insbesondere in die Gemeinden gelangen. Gemeinden sollten begleiten und beraten werden, eine Weitervermittlung an die Fachberatung des Diakonischen Werkes möglich gemacht werden. Deshalb sind Pfarrer Christoph König mit einer halben Pfarrstelle seit Februar diesen Jahres, sowie seit April auch Pfarrerin Friederike Kuhlmann-Fleck, ebenfalls mit einer halben Stelle, für die Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Trier zuständig. Patricia Schmidt-Luxa unterstützt seit April die Arbeit seitens des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach.

Informationen zur Arbeit der Migrationsfachdienste des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach finden Sie unter www.migrationsberatung-trier.de.