25 Jahre Schuldnerberatung

Das Team der Schuldnerberatung: Bernd Hilgert, Werner Huesgen, Eva-Maria Schmitt, Jürgen Ziegler und Ingrid Mayer (v.l.).
Hielt den Jubiläumsvortrag: Dieter Lintz, der leitende Redakteur des Trierischen Volksfreundes.

Zwischen notwendigen Schulden und Verführung – Arbeit der Schuldnerberatung gewürdigt

Am 7. September 2012 feierte die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach ihr 25 jähriges Jubiläum. Carsten Stumpenhorst, der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, betonte in seiner Eröffnung: „Rund sechs Millionen Menschen sind von Verschuldung betroffen. Die Überschuldung zieht sich dabei durch alle gesellschaftlichen Schichten. Die Aufgabe der Schuldnerberatung ist es, diesen Menschen wieder einen Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe zu ermöglichen.“
 
Dieter Lintz, der leitende Redakteur des Trierischen Volksfreundes betonte in seinem Vortrag, der unter dem Motto „Schulden sind notwendig! Sonst bewegt sich nichts!?“ stand: „Für meine Großeltern und auch Eltern war es eine unheimliche Sache, einen Kredit aufzunehmen. Heute wird einem ein Kredit geradezu aufgedrängt.“ Die Verantwortungslosigkeit sich selbst und anderen gegenüber würde gefördert, so Lintz weiter. „Kauf jetzt, zahl später – geben Sie das mal bei Google ein“, erklärte der Journalist den zahlreichen Gästen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. „Es müsse ähnlich wie bei Zigarettenverpackungen einen Hinweis geben: Schulden können ihren Lebensabend gefährden.“
 
Die Frage nach dem Umgang mit Geld sei jedoch ein Bereich, in dem privates und öffentliches Leben ineinander fließen, so Lintz weiter.  „Wie kann man erwarten, dass jemand von den dargebotenen Konsummöglichkeiten nicht Gebrauch macht? Und dann hört dieser gefährdete Mensch, dass der Berliner Flughafen ein Vielfaches mehr kostet als geplant und wundert sich, dass dasscheinbar niemanden interessiert.“
 
Ein besonderes Phänomen jedoch, so Lintz, seien „Menschen, die Schulden machen, um sich über Wasser zu halten und nicht mehr, um sich etwas zu gönnen.“ Hierfür würde noch das Bewusstsein in der Gesellschaft fehlen. Und das sei von Nöten, denn „es können niemals gute Schulden sein, wenn Menschen irgendwann einfach damit rechnen, dass ihre Schulden erst nach ihren Lebzeiten abgebaut werden.“
 
In der sich an den Vortrag anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass sowohl die persönliche Verantwortung als auch die strukturelle Vorsorge von entscheidender Bedeutung im Umgang mit der Frage nach der Schuldenprävention sind.
 
Renate Mertgen von der Schuldnerberatung der Diakonie Neuwied betonte: „Wer mit einem sehr niedrigen Einkommen auskommen muss, finanziert eben viele Dinge über Ratenzahlung. Wir müssen auf ein Einkommensniveau kommen, mit dem man gut leben und wirtschaften und seinen Kindern auch mal was kaufen kann.“ Jutta Terner, die Direktorin des Amtsgerichts Trier, erläuterte: „Wenn Menschen einfach kein Geld haben, um menschenwürdig zu leben, dann wird man schnell zum Außenseiter. Im Grunde sollte aber jeder teilhaben können an einer wirtschaftlichen Grundlage, die diese Gesellschaft bieten kann. Da anzusetzen, ist aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Aufgabe.“  Terner formulierte aber auch die andere Seite: „Mich interessiert die Art der Schulden. Es sind häufig Dinge, die man nicht braucht. Das zeigt meines Erachtens den Gang zu einer Gesellschaft, die nur im Heute lebt.“ Philipp Blomeyer von der easycredit TeamBank AG erläuterte: „Überschuldung hat auch etwas mit Bildung zu tun. 48 Prozent der Schulden werden von Menschen ohne Bildung gemacht. Wir können aber nur helfen, wenn wir auch bilden. Finanzielle Bildung steht noch in keinem Lehrplan – sollte es aber!“  Für Kreditberatungsgespräche müsse gelten: „Wir müssten eigentlich erst einmal fragen „Was kannst du zahlen?“ Und nicht: Was brauchst du?“, so Blomeyer, der sich auch für „Deutschland im Plus“, eine Stiftung für private Überschuldungsprävention, engagiert.
 
Der zuständige Geschäftsbereichsleiter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Nikolaus Immer, mahnte: „Was wir an Prävention machen, zum Beispiel an Schulen, das sind oft sehr kurzfristige Projekte.“
 
Der Vertreter der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, Joachim Christmann, nahm die Anregung auf und erklärte, die Möglichkeit eines Runden Tisches zur Schuldenprävention, der sich verstärkt um Schulen und Jugendeinrichtungen kümmert, zu prüfen.
 
Nikolaus Immer fasste abschließend zusammen: „Wir können sehr froh sein, in welch professioneller Weise die Schuldnerberatung arbeitet und die sehr verschiedenen Gründe, die Verschuldung verursachen, im Blick hält.“
 
Glückwünsche anlässlich des Jubiläums überbrachte zudem Bernd Michels in Vertretung für den Oberbürgermeister der Stadt Trier Klaus Jensen: „Ihre Arbeit ist unwahrscheinlich wichtig, weil viele Probleme mit Verschuldung beginnen.“ In den kommenden Jahren müssten große Einsparungen im Sozialhaushalt erreicht werden. Die Schuldensituation werde nicht besser, so Michels: „Wir brauchen die Schuldnerberatung auch in Zukunft. Sie tun ein großes Werk der Nächstenliebe.“

Das Team der Schuldnerberatung
 
Die Schuldnerberatung im Diakonischen Werk, das sind die Leiterin der Beratungsstelle Eva-Maria Schmitt sowie Jügen Ziegler, Werner Huesgen und Bernd Hilgert aus Kirchberg und Ingrid Mayer. Eva-Maria Schmitt hat die Schuldnerberatung vor 25 Jahren selbst mit ins Leben gerufen - wenn sie zum Jubiläum einen Wunsch frei hätte, dann würde sie sich „eine besser personelle Ausstattung in der Beratung wünschen, um der vielen Nachfragen gerecht zu werden. Denn es steht nicht zu erwarten, dass es weniger werden.“

25 Jahre Schuldnerberatung

Das Team der Schuldnerberatung...Das Podium war sich einig: Die Arbeit der Schuldnerberatung wird auch in Zukunft gebraucht