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Andacht: Manchmal brauchst du einen Engel

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Antworten. Seit Tagen lähmt das Corona-Virus das öffentliche Leben. Geschäfte sind geschlossen, Gottesdienste in der Kirche untersagt. Wir feiern weiter Gottesdienst, nur anders.

Gott ist ganz nahe bei den Menschen. Und wir wollen das auch sein. Darum lesen, hören oder sehen Sie hier jede Woche eine Web-Andacht. Nehmen Sie sich etwas Zeit, kommen Sie zur Ruhe, vielleicht sprechen Sie die Gebete laut mit mit und zünden eine Kerze an...

 

 

 

Wir sind jetzt verbunden im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, ich schreibe diese Andacht am Vorabend des Sonntags Lätare.
Lätare - das heißt auf Deutsch "Freut euch!" Das ist schon merkwürdig: Mitten in der Passionszeit ein Aufruf zur Freude! Die Hälfte der Fastenzeit ist vorbei, jetzt rückt Ostern in den Blick. Darum heißt der Sonntag auch "Freudensonntag".
Doch ich merke: Die Freude fällt mir schwer. Eben las ich, das in Italien allein heute 800 Menschen an dem neuartigen Corona-Virus gestorben sind. Im Kreis Birkenfeld steigt die Zahl der Infektionen. Unsicherheit und Sorge wachsen. Auch unter Christen.
Umso wichtiger ist, von unserer Hoffnung und unserem Glauben zu sprechen. Gott lässt uns nicht allein. Er ist mit uns auf dem Weg und gibt uns neue Kraft.

In Psalm 91 lesen wir: "Der HERR hat seinen Engel befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest."

Wir beten:

Gott, wir können von Glück sagen, dass du auf uns aufpasst. Dass du dich für unser Leben interessierst. Dass du uns deine Engel zur Seite stellst und für uns sorgst.
Lass uns erkennen, Gott, die Engel in unserem Leben, die uns trösten und wärmen, deren Wort uns beflügelt und uns weitergehen lässt.
Lass uns sehen, Gott, die Engel im menschlichen Angesicht und rufe in uns wach alle guten Gedanken, die in uns schlummern, in Herz und Kopf und Leib und Seele, alles, was wir oft vergessen und für unnütz halten: das freundliche Wort, und den liebevollen Blick, die hilfreiche Tat und den guten Umgang im Miteinander.
Das lass möglich werden, auch durch uns und in unserer Mitte.
Das bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde,

was fällt Ihnen zu Engeln ein? Engel haben zwei Flügel und ein weißes Kleid, das weiß doch jedes Kind, meinte meine vierjährige Enkeltochter Emma neulich zu mir. Und auch das ist richtig: Die Flügelwesen haben an Weihnachten Hochkonjunktur. Schließlich haben sie den Hirten auf den Feldern bei Bethlehem verkündigt, dass der Heiland geboren ist.
Doch kommen Engel nur an Weihnachten vor? Es gibt ein weiteres wichtiges Kirchenfest, an dem sie eine Rolle spielen: an Ostern. Als die Frauen am Ostermorgen zum Grab gingen, um den Leichnam Jesu zu salben, fanden sie das Grab leer. Stattdessen war da ein Engel. Der sagte: "Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus von Nazareth. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!"
Engel sind Boten Gottes, Briefträger von Gottes guten Nachrichten, könnte man sagen. Sie stehen für Gottes Gegenwart und Fürsorge. Und sie wissen immer ganz genau, was Menschen brauchen. Daher gibt es auch die alte jüdische Vorstellung von den Schutzengeln, die Gott jedem Menschen bei seiner Geburt zur Seite stellt. Und die ihn auf seinem Weg begleiten und behüten.

Im Alten Testament gibt es eine Engelsgeschichte, die handelt vom Propheten Elia. Was ist ein Prophet? Nun, ein Prophet ist jemand, der Gottes Wort empfängt und anderen Menschen weitersagt. Und da Gottes Wort die Wahrheit spricht, macht sich ein Prophet selten Freunde. Die Wahrheit ist unbequem, gerade für die Herrschenden. So ging es auch Elia: Die Königin von Israel, Isebel, trachtete ihm nach dem Leben.
Elia nahm reißaus. Er floh in die Wüste. Er lief und lief. Bis er nicht mehr konnte. Erschöpft ließ er sich unter einem Strauch nieder und wollte nur noch sterben. Da sprach ein Engel zu ihm: "Elia, steh auf und iss!" Elia schlug die Augen auf und sah einen Krug frisches Wasser und ein geröstetes Brot. Er aß und trank. Aber er war so schwach, dass er gleich wieder einschlief. Da sprach der Engel ein zweites Mal: "Elia, iss unt trink! Du hast noch einen weiten Weg vor dir."
Da aß und trank Elia erneut. Und durch die Kraft dieser Speise, so erzählt die Bibel, lief er 40 Tage und 40 Nächte, bis er zum Berg Horeb kam. Dort begegnete er Gott und erhielt einen neuen Auftrag für sein Leben.

Ich mag diese Geschichte. Sie zeigt, dass Gott uns nicht allein lässt. Er schickt uns seine Boten. Und die wissen genau, was wir brauchen.
Elia war am Ende. Er konnte nicht mehr, und er wollte auch nicht mehr. Solche Erfahrungen machen viele Menschen in ihrem Leben. Im Beruf gibt es immer wieder stressige Situationen. Zu Hause sind Sorgen um die Kinder. Krankheiten können mürbe machen. Irgendwann ist man ausgebrannt. Elia hat die befreiende Erfahrung gemacht, dass Gott unsere Not sieht und manchmal einen Engel schickt.
Jetzt sagen manche: Engel gibt es doch gar nicht! Man kann ihre Existenz nicht beweisen! Ich behaupte: Ich bin schon vielen Engeln in meinem Leben begegnet. Nein, sie hatten keine Flügel und keine weißes Gewand. Sie waren eher unscheinbar. Es waren gute Gedanken, hilfreiche Impulse, die mir zugeflogen sind. Oft waren es auch Menschen aus Fleisch und Blut, die mir zugehört und in den Arm genommen haben. So dass ich neue Kraft bekommen habe und meinen Weg weitergehen konnte. Wie der Prophet Elia.

In den letzten Tagen, wo die Corona-Viren uns in Schockstarre versetzt haben, bin ich ganz vielen Engeln begegnet. Sie auch? Da war die Kassiererin im Laden, die mit mir über das seit Tagen fehlende Toilettenpapier gelacht hat. Manchmal ist Humor ja die beste Medizin. Da war der Hausarzt, der seine Patientin mit sachlichen Informationen beruhigt hat. Oder die junge Frau, die für ihre alte Nachbarin mit eingekauft hat. Sie und ich könnten noch von vielen anderen Engeln berichten, in der Gemeinde, in den Alten- und Pflegeheimen, im Krankenhaus, bei der Polizei und vielen andere Orten.
Wir gehen jetzt durch eine Krise hindurch. Das ist richtig. Doch gerade jetzt haben Engel Hochkonjunktur. Und jede und jeder von uns kann dem anderen zum Engel werden. Dazu brauchen Sie keine Flügel und kein weißes Kleid. Nur ein bisschen Mut, Herz und Verstand. Und dann gibt es nicht erst an Ostern, sondern schon jetzt, mitten in der Passionszeit, am Sonntag Lätare, Grund zur Freude. Amen.

Wir wollen Fürbitte halten:

Himmlischer Vater,
wir danken dir, dass du immer bei uns bist. Dass du uns trägst auch in schweren Zeiten. Dass du uns deine Engel schickst, die uns begleiten und bewahren.
Wir bitten dich:
Lass uns deine Nähe wahrnehmen und deine Liebe erwidern. Auch wir können zu Engeln werden. Auch wir sollen für andere da sein, für die Armen, die Kranken, die Ängstlichen, die Hilfsbedürftigen, die Alten und Schwachen.
Wir bitten dich jetzt besonders
- für die Ärztinnen und Ärzte, für alle Pflegenden in den Kliniken, Heimen und Hospizen;
- für alle, die Verantwortung tragen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft;
- für alle, die uns Tag für Tag mit Lebensmitteln versorgen;
- für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger, die den Menschen Gottes Frohe Botschaft zusagen;
- für alle Menschen, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben und erkrankt sind;
- für alle Angehörigen, die in tiefer Sorge sind;
- für alle, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben und um ihre Existenz fürchten.
Sei ihnen allen nahe, gib ihnen Zuversicht und Hoffnung und schicke ihnen einen Engel. Amen.

Und was uns noch an Bitte und Fürbitte auf dem Herzen liegt, nehmen wir mit in das Gebet des Herrn:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.

Amen.

Zum Abschluss der Web-Andacht bedanke ich mich für Ihren Besuch. Sie können die Andacht gerne ausklingen lassen mit dem Lied "Manchmal brauchst du einen Engel." Klicken Sie den Link bitte einfach an. Und bleiben Sie gesund!

Lied: Manchmal brauchst du einen Engel