Spiritualität

Liebe Leserin, lieber Leser!

Geht es Ihnen so wie mir? Können Sie das Wort auch nicht mehr hören? Corona, Corona, Corona – kein Tag ist seit Anfang des Jahres vergangen ohne neue Nachrichten über dieses bisher unbekannte Virus. Täglich neue Fallzahlen, immer neue Maßnahmen, eine Flut sich ständig ändernder Verordnungen.

Während ich diese Sätze schreiben, wächst die „zweite Welle“, vor der wir im Sommer gewarnt worden sind. Es gibt Forscher, die beschwichtigen: Selbst 10.000 Neuinfektionen seien kein Grund zur Besorgnis. Andere alarmieren: Wir müssen handeln, bevor die Gesundheitsämter die Infektionswege nicht mehr nachverfolgen können. Auf wen sollen wir hören?

Gott sei Dank sind wir im Frühjahr glimpflich davon gekommen. Der Sommer ließ uns aufatmen. Am Erntedankfest dankten wir Gott für das Getreide auf dem Feld, für die Früchte in unseren Gärten und für alles, womit er uns auch in diesem Jahr beschenkt hat. Einschränkungen bleiben. Die Gottesdienste am Reformationstag und an Buß- und Bettag sollen „erwandert“ werden. Am Totensonntag finden sie auf den Friedhöfen statt. Und auch die Heiligabendgottesdienste werden anders sein als sonst. Vorausgesetzt, es gibt keinen neuen Lockdown wie an Ostern.

Ich denke daran, wie die Menschen, die vor uns gelebt haben, mit Notzeiten umgegangen sind. Die Geschichte unserer Dörfer hat so viel Elend und Leid gesehen. Für mich ist diese Pandemie die erste, die ich bewusst erlebe. Wie werden künftige Generationen darüber denken?

Manche meinen ja, die Not lehrt beten. Ich bin da nicht so sicher. Sicher bin ich nur, dass Gott mit uns geht. Und dass sein Wort, das er dem Volk Israel in schwerer Not zugesprochen hat, auch heute gilt: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“ (Jer 29,13). Bleiben Sie gesund!

Ihr Pfr. Erik Zimmermann