„Es wird noch einige Veränderungen in der Kirchenkreislandschaft geben“

Landeskirchenrätin Antje Hieronimus über bevorstehende Kirchenkreisfusionen, Vor- und Nachteile größerer Verwaltungseinheiten und die Bedeutung eines guten Projektmanagements.

Frau Hieronimus, Gemeindefusionen sind schon länger an der Tagesordnung. Aber zum Jahreswechsel kommt es erstmals seit 2019 auch wieder zu Zusammenschlüssen von Kirchenkreisen. Wo überall?
Antje Hieronimus:
Tatsächlich stehen einige Veränderungen in der Kirchenkreislandschaft an. Die Kirchenkreise Köln-Mitte, Köln-Nord und Köln-Süd fusionieren zum Kirchenkreis Köln-Linksrheinisch und die Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West werden den Kirchenkreis An der Saar bilden.

Daneben existieren auch schon mehrere Kirchenkreisverbände. Sind das Vorboten weiterer Fusionen?
Hieronimus:
Die Kirchenkreisverbände, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, sind in der Regel Verwaltungsverbände. Hiervon gibt es inzwischen immerhin fünf. Allerdings ist nicht ausgemacht, dass daraus auch Kirchenkreisfusionen erwachsen.

Wird diese Entwicklung auf Kirchenkreisebene nach Ihrer Einschätzung in den nächsten Jahren noch an Dynamik gewinnen?
Hieronimus:
Ich gehe sehr stark davon aus, dass es noch einige Veränderungen in der Kirchenkreislandschaft geben wird. Rechnet man hoch, wie viele Pfarrstellen es in den Kirchenkreisen in Zukunft geben wird, so wird deutlich, dass es an manchen Stellen kaum möglich sein wird, damit die Theologieschiene in den Kreissynodalvorständen zu besetzen. Auf der anderen Seite wird die Kirchenkreisebene eine entscheidende Rolle bei der Gemeindeentwicklung spielen. Das Entwickeln einer „Mixed Ecology“ mit gemeindlicher Vielfalt erfordert viel Kommunikation, Begleitung und Kreativität. Hierzu werden überschaubare Räume und entsprechende Ressourcen notwendig sein. Das könnte gegen eine Fusion sprechen.

Wie groß ist die Gefahr, in größeren Verwaltungseinheiten den Bezug zur Basis vor Ort zu verlieren?
Hieronimus: Größere Verwaltungseinheiten haben Risiken und bieten Chancen. Für manche Aufgaben, wie die Ausarbeitung eines Arbeitsvertrages, eine Gehaltsabrechnung oder eine Buchung, ist entscheidender, dass die Aufgaben effizient und qualifiziert erledigt werden. Da ist in zentraleren Einheiten auch leichter eine Standardisierung möglich. Wichtig und vielleicht noch wichtiger als bisher bleiben Gremienberatung, Lotsen für die Schnittstellen und Gemeindemanagerinnen und -manager. Es muss also sorgfältig überlegt werden, welche Aufgaben zentraler und welche Aufgaben näher erledigt werden sollten.

Was ist wichtig, damit ein Fusionsprozess erfolgreich verläuft?
Hieronimus: In erster Linie muss ein gutes Projektmanagement gewährleistet sein. Wenn Arbeitspakete klar sind und Meilensteine bestimmt werden, dann ist schon viel gewonnen. Hierfür müssen ausreichend Ressourcen bereitgestellt und gegebenenfalls Beratung und Unterstützung von außen eingeholt werden. Hilfreich ist es sicher auch, sich an Wahlperioden und Ruhestandsversetzungen von Schlüsselpersonen zu orientieren, das erleichtert sehr.

Bei welcher Größenordnung von Kirchenkreisen wäre aus Ihrer Sicht ein Endpunkt erreicht?
Hieronimus: Das kann man überhaupt nicht sagen, denn es hängt zum einen davon ab, welche Funktion ein Kirchenkreis in Zukunft haben soll, zum anderen davon, wie die innere Struktur eines Kirchenkreises aussehen könnte. Denkbar sind mittelgroße Kirchenkreise, die auch gemeindliche Funktionen wie Konfirmandenarbeit, Tauffeste oder Pop-up-Hochzeiten übernehmen und wo die Grenzen zwischen Gemeinde und Kirchenkreis durchlässiger werden bis dahin, dass nur noch der Kirchenkreis öffentlich-rechtliche Körperschaft ist und Gemeinden eher leichtere Körperschaften kirchlichen Rechts. Denkbar sind aber auch sehr große Kirchenkreise, die zugleich Verwaltungsebene und Träger von Seelsorgefeldern oder Schulreferaten sind, die schon jetzt von mehreren Kirchenkreisen getragen werden. Hier wird es aber dann eine Unterstruktur geben müssen, vielleicht größere Regionalgemeinden oder Mitglieder des Kreissynodalvorstands, die für eine überschaubare Region zuständig sind.

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins EKiR.info für die Mitglieder der Presbyterien erschienen. Alle Ausgaben stehen auch zum Download zur Verfügung

Info: Kooperation und Fusion

Auf ekir.de finden sich verschiedene Informationen und Broschüren zu Kooperationen und Fusionen für Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Darunter die Arbeitshilfe zur regionalen Zusammenarbeit von Kirchengemeinden, Checklisten, Musterbeschlüsse und ein Leitfaden für die Fusion von Kirchengemeinden, sowie Informationen zu Genossenschaftsanteilen, zum Beratungsverfahren Mitarbeitendenvertretung und zu Eckpunkten zum Recht des Betriebsübergangs. Alle Informationen und Materialien sind im Menü unter Landeskirche > Kirchengemeinden > Kooperation und Fusion.

 

  • 15.12.2025
  • Ekkehard Rüger
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