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Christoph Pistorius vor dem Ökumene-Tag: Über den Tellerrand schauen

 

Trier – Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier, Christoph Pistorius, hat die Kirchen dazu aufgerufen, über den Tellerrand der eigenen Konfession zu schauen und eine Ökumene der Vielfalt zu wagen. „Kirche ist mehr als die Gestalt von Kirche, die wir in unserer jeweiligen Heimatkirche erfahren“, sagte der leitende Theologe der Protestanten in den Regionen Mosel, Eifel und Hunsrück im Vorfeld des Ökumene-Tages der Heilig-Rock-Wallfahrt. Dazu werden am kommenden Samstag, 5. Mai 2012 zehntausende Gläubige aller Kirchen in Trier erwartet sowie zahlreiche Ehrengäste.

Pistorius plädierte dafür, Unterschiedlichkeiten als Geschenk wahrzunehmen. „Wir sprechen einander nicht den rechten Glauben ab, wissend um die Brüche und Fehler in der Geschichte der je eigenen Kirche. Wir legen einander nicht fest auf Klischees, sondern wollen einander neu wahrnehmen und denken miteinander nach, was wir übereinander zukünftig nicht mehr sagen wollen“, so der Superintendent. Zudem sei eine Haltung von „Buße und Demut“ der Kirchen untereinander nötig, denn sie hätten einander Verletzungen zugefügt und so das Zeugnis von Jesus Christus verdunkelt, erklärte der Theologe.

Der Tag der Ökumene am Samstag, 5. Mai ist der Höhepunkt der ökumenischen Veranstaltungen während der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012. Er beginnt bereits um 10 Uhr einer Willkommens-Veranstaltung für Pilgerinnen und Pilger im Palastgarten. Dort wechseln sich Wortbeiträge und Musik der Gruppe „Ruhama“ ab. Um 12.15 Uhr beginnt das Ökumenische Mittagsgebet in der Konstantin-Basilika (Evangelische Kirche zum Erlöser). Ab 14 Uhr finden dann Stationsgottesdienste statt an verschiedenen Orten der Trierer Innenstadt – und das Gottesvolk begibt sich gemeinsam auf den Weg. Gestaltet werden die vier Stationen von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).

Die Stationen im Einzelnen

14:00 Uhr – 1. Stationsgottesdienst - Dom

„KREUZ UND QUER VERWOBEN“ – Sammlung und Aufbruch

Als Christen verschiedener Kirchen und Gemeinschaften unterwegs, sind wir inmitten unserer Gesellschaft und ihrer Wahrnehmung von Religion, Christentum und Kirche „kreuz und quer verwoben“, verflochten in die Herausforderungen unserer Zeit und Welt. Wir sind aufeinander verwiesen und angewiesen, denn unsere Spaltungen hindern uns daran, glaubwürdige Zeugen des Evangeliums zu sein. Wir „sammeln uns im alten Trier“ um erneut aufzubrechen auf gemeinsame Wege. Wir wollen entdecken und erfahren, was uns schon längst eint – und darüber hinaus weiter bitten: „führe zusammen, was getrennt ist“.

Ca. 14:45 Uhr – 2. Stationsgottesdienst - Großer Innenhof des Bischöflichen Priesterseminars

„EINE NUMMER ZU GROSS?“ – Innehalten auf Hoffnung hin

Ist unser Vorhaben, unser Anspruch, unser Auftrag nicht „eine Nummer zu groß“? Sind wir nicht restlos überfordert angesichts der Probleme und Aufgaben dieser Zeit? Woraus schöpfen wir Kraft? Worin sind wir gehalten? Woraus erwächst unsere Hoffnung? Unser Glaube sagt uns: Wir sind erlöst. Es ist Jesus Christus selbst, der unsere Wege mitgeht, deshalb können wir sie gehen. Wir können mit Widerständen, Brüchen und Vorläufigkeiten leben lernen. Zusammen mit allen Menschen guten Willens können wir gemeinsame Sache machen, um die Welt human zu gestalten und die Zukunft hoffnungsvoll anzugehen.

Ca. 15:30 Uhr – 3. Stationsgottesdienst - Kirche zum Erlöser - Konstantinbasilika

„NAHTLOS ZERRISSEN?“ – Einheit, Gabe und Aufgabe

Wir haben uns als Glaubensgeschwister entdeckt. Wir schätzen uns gegenseitig mit unseren unterschiedlichen reichhaltigen Gaben. Wir tauschen sie einander aus und freuen uns an der neu gewonnenen Gemeinschaft in Glaube, Hoffnung, Liebe. Jesus Christus führt uns zusammen. Gottes Geist stärkt und belebt unsere Gemeinschaft. Die Einheit ist seine Gabe. Wir können die Trennungen überwinden, wenn wir auf den Geist der Versöhnung und Liebe setzen. Wir gehen mit Entschiedenheit, Leidenschaft und Freude der ökumenischen Bewegung weiter und nehmen die Aufgabe an, die volle sichtbare Einheit der Christen zu suchen.

Ca. 16:45 Uhr – Taufgedächtnisgottesdienst - Palastgarten

„GUT ANGEZOGEN?“ – Sendung und Nachfolge

Unser Leben – als Einzelne und in der Gemeinschaft – gründet im Glauben an den dreieinen Gott. Wir sind getauft und somit Glieder am Leib Christi, der Kirche. Damit sind wir „gut angezogen“, besser könnten wir es gar nicht sein, da wir Christus selbst „als Gewand angelegt“ haben (Gal 3,27). Wir gedenken unserer Taufe und lassen uns senden als Glaubensgeschwister und Glieder an dem einen Leib des Herrn. Ihm wollen wir nachfolgen. Er soll unser Leben prägen und bestimmen – in der Gemeinschaft aller Getauften und an Jesus Christus Glaubenden. In ihm sind alle Trennungen, die wir selbst produzieren, aufgehoben (Gal 3,28)

Das Statement von Superintendent Christoph Pistorius zum Ökumene-Tag im Wortlaut

Kirche ist mehr

Wenn die Christinnen und Christen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zum Tag der Ökumene zusammenkommen, wird sichtbar, was Bischof Spital und Präses Beier bereits 1996 formulierten: „Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass die Einheit nicht nur das Ziel unseres Weges ist, sondern uns in Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, schon geschenkt ist. … Unumkehrbar ist die Einsicht geworden: Kirche im vollen Sinn können wir nur sein mit den anderen. Deshalb ist der gemeinsame Weg der Christen der verschiedensten Glaubensrichtungen vor Ort nicht ein beliebiges Ziel neben vielen anderen, sondern eine grundlegende Wirklichkeit und Aufgabe unserer Gemeinden.“

Kirche ist mehr als die Gestalt von Kirche, die wir in unserer jeweiligen Heimatkirche erfahren.

Wir nehmen einander in aller Unterschiedlichkeit wahr als Bereicherung für unseren gemeinsamen Weg, sozusagen als Geschenk. Wir sprechen einander nicht den rechten Glauben ab, wissend um die Brüche und Fehler in der Geschichte der je eigenen Kirche. Wir legen einander nicht fest auf Klischees, sondern wollen einander neu wahrnehmen und denken miteinander nach, was wir übereinander zukünftig nicht mehr sagen wollen. Wir sind bereit zur Buße und zur Demut, wissend um einander zugefügte Verletzungen und das Verdunkeln des Zeugnisses für den einen Herrn der Kirche, aber auch dankbar für die unterschiedlichen Gaben, die wir einzubringen haben in den gemeinsamen Weg.

Weil wir um die Grenzen unseres Bemühens wissen, vereinen wir uns in der Bitte, die als Leitwort über der diesjährigen Christuswallfahrt in Trier steht: „… und führe zusammen, was getrennt ist.“

Christoph Pistorius, Superintendent, Trier

Portal zur evangelischen Beteiligung an der katholischen Heilig-Rock-Wallfahrt

Dass sich Protestanten an einer katholischen Wallfahrt beteiligen, ist ungewöhnlich. Dennoch machen viele evangelische Christen im Kirchenkreis Trier sowie der Evangelischen Kirche im Rheinland mit bei der Heilig-Rock-Wallfahrt, zu der das Bistum Trier von 13. April bis 13. Mai 2012 in die älteste Stadt Deutschlands einlädt. Allerdings: nicht diskussionslos, und das ist gut so. Der Evangelische Kirchenkreis Trier hat eine Website zur protestantischen Beteiligung an der Christuswallfahrt an den Start gebracht. Damit wollen die Verantwortlichen dazu beitragen, sich ein eigenes Urteil zu bilden über eine der spannendsten ökumenischen Debatten der jüngsten Zeit.

http://oekumene.ekkt.de/