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Sich Jesus Christus anvertrauen - 800 Menschen gehen gemeinsam ökumenischen Jugendkreuzweg

 

Trier – Es ist ein beeindruckendes Bild: Rund 800 Jugendliche und Erwachsene ziehen an diesem Freitagabend, 30. März, durch die Stadt – sie folgen einem Kreuz. Sie gehen den ökumenischen Kreuzweg der Jugend, der seit nun 54 Jahren Grenzen überwindet, zunächst die innerdeutsche, aber auch die zwischen Konfessionen. Mit den jungen Leuten unterwegs sind der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, Triers Bischof Stephan Ackermann, Diözesanjugendpfarrer Matthias Struth, Pfarrer Thomas Luxa vom Evangelischen Kirchenkreis Trier, sowie Vertreter der Bistumsleitung und Mitglieder des Presbyteriums. Von der Evangelischen Kirche zum Erlöser, der Konstantin-Basilika, über Kornmarkt, Stockplatz und Hauptmarkt, zieht die Gruppe zum Dom, hört Texte, betet und singt gemeinsam mit Gregor Linßen und der Gruppe AMI, lässt sich von großformatigen Bildern der Oberammergauer Passionsspiele zum Nachdenken über das Thema des Kreuzwegs „Erlöse mich“ einladen und folgt so symbolisch dem Leidensweg Jesu Christi.

Schon bei der Begrüßung in der Konstantinbasilika wird klar, dass diese zentrale Feier des Jugendkreuzweges, der bundesweit gefeiert wird, in engem Zusammenhang mit der Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt steht. Markus Hartmann vom Vorbereitungsteam erklärt, man habe sich „von der Wallfahrt inspirieren lassen“ – das Thema des Jahres  der geistlichen Vorbereitung auf die Wallfahrt lautete „Erlösung“. Es gehe darum, das eigene Leben „unters Kreuz zu bringen“ und sich vor Jesus hinzustellen. „Ich hoffe, das gemeinsame Gebet hilft uns, uns mit Jesus Christus zu konfrontieren und ihm unser Leben hinzuhalten.“ Bischof Ackermann lädt ein, den Kreuzweg zu gehen, „um uns neu berühren zu lassen im Herzen und in unserem Denken von dem, was Jesus in seiner Liebe zu uns getan hat“. Erlösung sei nicht „die Summe aller Lösungen“, mahnt der Bischof. Natürlich seien die Menschen aufgerufen, Lösungen zu finden etwa gegen Krankheiten, Hunger oder Ungerechtigkeit und für eine menschenwürdige Welt. „Aber wir allein schaffen das nicht – es braucht sein Geschenk der Erlösung“, sagt Ackermann.

Unterwegs kommen die Teilnehmer miteinander ins Gespräch, man erfährt voneinander die Beweggründe, an dem Kreuzweg teilzunehmen.  Die 17-jährige Felicitas aus Trier ist katholisch und mit ihrer evangelischen Freundin dabei. „Das ist einfach ein schönes Erlebnis“, sagt sie, „das zeigt, dass die Kirche von Jugendlichen getragen wird und Zukunft hat.“ Ihre gleichaltrige Freundin Muriel ist zum ersten Mal bei einer solchen Veranstaltung dabei und ist beeindruckt: „Ich habe nicht erwartet, dass Katholiken und Protestanten sowas zusammen auf die Beine stellen.“ Für sie ist es selbstverständlich, ihren Glauben zu zeigen und mit anderen eine Gemeinschaft zu bilden. Helga Franzen aus Briedel ist mit 105 Menschen, darunter viele junge Familien, aus ihrer Pfarreiengemeinschaft dabei. Sie tragen ebenfalls ein Kreuz mit sich: „Wir gehen schon seit 1987 einen ökumenischen Kreuzweg rund um die Marienburg“, berichtet sie. Zur der Gruppe gehört auch Gemeindereferentin Patrizia Alt. Sie lobt die Atmosphäre und die Musik: „Auch für die Kinder ist das hier total spannend mit den Bildern und den Aktionen.“ Sebastian Klasen (26) aus Müllenbach am Nürburgring ist mit 30 Firmlingen nach Trier gekommen. In seiner Pfarrei wird seit 15 Jahren der ökumenische Kreuzweg am Karfreitag gebetet. Er sagt: „Es ist spitze, dass so viele Leute hier Farbe zum Glauben bekennen.“ Die Firmlinge seien von Anfang an begeistert, und Klasen ist sicher, dass diese Erfahrung Spuren hinterlässt.

Und tatsächlich werden die Besucher der Lokale am Stockplatz, die draußen sitzen und sich zunächst nicht von der Menge beeindrucken lassen, ganz ruhig, als die jungen Leute gemeinsam beten. Mit dabei ist auch Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen: „Mich bewegt es tief, dass eine so große Gruppe junger Menschen durch die Innenstadt geht, betet, lacht – das ist ein seltenes Erlebnis. Schön, dass es sowas in Trier gibt.“ Der Kreuzweg endet im Dom, wo Präses Schneider die Gemeinde ermutigt, Vertrauen zu haben in Jesus Christus.  „Jesus war bei den Kleinen, Armen, Kranken, nicht abgehoben, sondern ganz unten. Wir können uns ihm anvertrauen.“ Weil er selbst so menschlich sei, kenne er die Ängste der Menschen. „Wir können uns von ihm an die Hand nehmen lassen, er trägt uns und nimmt uns mit ins Leben.“ Gemeinsam gehen die Gläubigen dann in die Heiltumskapelle, in der der Heilige Rock, der ab dem 13. April wieder zu sehen sein wird, aufbewahrt wird. Und am Ende des Abends zieht Präses Schneider ein positives Fazit: „Das ist ein vertrauensvolles ökumenisches Miteinander. Wir müssen unsere Gemeinsamkeiten erfahren. Das geht im Singen und Beten und Hören auf Gottes Wort. Es ist wichtig, die Gemeinschaft im Glauben und die Gemeinschaft als Kirche Jesu Christi zu erleben.“

Der Ökumenische Jugendkreuzweg in Trier ist eine gemeinsame Veranstaltung von Dekanat Trier, Evangelischer Kirchengemeinde Trier, BDKJ Trier, Arbeitsbereich Jugendpastoral im Bistum Trier und dem Team Ökumenischer Jugendkreuzweg. 1958 begann der Jugendkreuzweg als „Gebetsbrücke“ zwischen jungen katholischen Christinnen und Christen in der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR; seit 1972 wird er ökumenisch gebetet. Träger sind die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej).

Vom 13. April bis 13. Mai 2012 lädt das Bistum Trier zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier ein. Dann wird erstmals seit 1996 der Heilige Rock wieder im Trierer Dom zu sehen sein. Die Wallfahrt steht unter dem Leitwort „und führe zusammen, was getrennt ist“. Der Heilige Rock, die Tunika Jesu Christi, ist die bedeutendste Reliquie des Trierer Doms. Dort wird er verschlossen und nicht sichtbar aufbewahrt. Die Geschichte des Heiligen Rocks ist ein Gewebe aus Legenden und Überlieferungen. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, soll ihn im 4. Jahrhundert nach Trier gebracht haben. Informationen rund um die Heilig-Rock-Wallfahrt gibt es im Internet unter www.heilig-rock-wallfahrt.de oder im Wallfahrtsbüro, Tel.: 0651-7105-8012.

30.3.2012, Text: Bistum Trier, Fotos: cu, Bistum