Nachrichten

Von Cyangugu über Daun nach Schweich – Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier

Schweich – Am Samstag, 4. November 2017, fand die Herbsttagung der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Trier im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Schweich statt. Im Mittelpunkt der Beratungen der rund 80 Synodalen aus den Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises stand neben dem Jahresbericht von Superintendent Dr. Jörg Weber insbesondere die Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem Partnerschaftskreis der Region Eifel im Evangelischen Kirchenkirchenkreis Trier und der Diözese Cyangugu der Anglikanischen Kirche von Ruanda.

Der angilkanische Bischof Nathan Amooti unterzeichnet die Vereinbarung.

Bei der offiziellen Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung in Schweich: Dr. John Wesley Kabango (VEM), Pfarrer Frank Meckelburg (3.v.l.), Superintendentdent Dr. Jörg Weber und Bischof Nathan Amooti, dahinter die Vorsitzende des Partnerschaftskreises der Region Eifel, Pfarrerin Sabine Meckelburg sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter der beiden Partnerschaftskreise.

Der angilkanische Bischof Nathan Amooti unterzeichnet die Vereinbarung.

Über zwei Jahre haben der Partnerschaftskreis der Region Eifel und dessen Vorsitzende, die Dauner Pfarrerin Sabine Meckelburg, stellvertretend für den gesamten Kirchenkreis, sowie der Partnerschaftskreis der Diözese Cyangugu das Zustandekommen der Partnerschaft vorbereitet und organisiert. Die Vereinbarung soll dazu dienen, "wechselseitig vom Glauben zu lernen, Verantwortung für einander zu übernehmen und den ökumenisch-missionarischen Horizont" der Gemeinden zu erweitern. Neben solidarischer finanzieller und materieller Unterstützung stehen Erfahrungs- und Informationsaustausch im Vordergrund - auch durch möglichst regelmäßige gegenseitige Besuche. So war bereits 2015 eine Delegation aus Ruanda zu Gast im Kirchenkreis Trier, 2016 reiste im Gegenzug ein Team des Trierer Partnerschaftskreises nach Cyangugu, unter anderem, um sich ein Bild des so genannten "Feeding Programms" zu machen, ein Projekt, das Kinder mit ausreichend Nahrung versorgt und welches bereits Unterstützung im Rahmen der beginnenden Partnerschaft erfahren hat. Auf der Kreissynode in Schweich konnte nun die Vereinbarung von Sabine Meckelburg gemeinsam mit dem anglikanischen Bischof der Diözese Cyangugu, Nathan Amooti, offiziell unterzeichnet werden.

Menschen, mit denen man lachen und Glauben teilen kann
Amooti dankte in seinem Grußwort dem Kirchenkreis Trier sowie der Dauner Kirchengemeinde und berichtete, dass es in Cyangugu lange gedauert habe, bis man jemanden für die Partnerschaft gefunden habe. Für sie seien dabei vor allem drei Dinge wichtig gewesen: Sie hätten viele Jahre um "Menschen gebetet, für die Partnerschaft und Freundschaft zusammen gehören, Menschen, die lustig sind und mit denen man lachen kann, und um Menschen, mit denen wir unseren Glauben teilen können", so Amooti. Und stellte nachdrücklich fest: "In Daun haben wir nun Geschwister, bei denen wir diese drei Dinge gefunden haben." Die Delegation rund um Nathan Amooti sowie Boniface Lakony, den Vorsitzenden des ruandischen Partnerschaftskreises, war bereits einige Tage zuvor angereist und hatte mehrere Gemeinden und Einrichtungen, unter anderem Kindertagesstätten sowie das Diakonisches Werk in Trier, des Kirchenkreises in Gerolstein, Prüm, Schauren, Veldenz und Trier besucht. Dabei habe man gemerkt, so der Bischof weiter, "dass wir viel von Euch lernen können. Aber wir haben auch gemerkt, dass Ihr Dinge auch von uns lernen könnt", so Amooti weiter. Denn: "Ihre Kirche ist sehr, sehr alt, und vieles ist mehr als 100 Jahre alt. Die Kirche in Cyangugu ist eine sehr junge Kirche - viele Kinder, viele junge Leute, viel Vitalität", auch davon könnten die Gemeinden des Trierer Kirchenkreises lernen. Abschließend lud Amooti auch die Synodalen zu einem Besuch ein - und betonte noch einmal: "Wir danken für die Hand die Ihr uns reicht und wir sind bereit für viele Jahre Partnerschaftsarbeit."

Ein kostbares Geschenk und ein wichtiger Schritt zur Einheit der Christen
Pfarrerin Sabine Meckelburg zeigte sich ebenfalls sehr dankbar, dass die intensive Vorbereitung nun in Form der offiziellen Unterzeichnung zum Abschluss gekommen ist. Für sie ist die Partnerschaft "ein kostbares Geschenk und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Einheit, die gegründet ist auf dem Verständnis, dass wir alle eins sind in Christus, und dass durch Christus alle Unterschiede weggenommen wurden". Die Begegnungen mit den Geschwistern aus Cyangugu seien einfach bereichernd und ungeheuer lehrreich, so Meckelburg. Meckelburg betonte aber auch, dass man sich nach gut fünf Jahren Zeit nehmen wolle, die Partnerschaftsvereinbarung zu evaluieren und "ganz realistisch zu schauen, wo man steht." Dies sei ihrer Einschätzung nach jedoch kein Problem, denn: "Ich bin immer wieder sehr angetan, wie offen wir miteinander sprechen können!", zeigte sich die Dauner Pfarrerin zuversichtlich.

Begleitet und unterstützt wurden die Partnerschaftskreise bei ihrer Vorbereitung durch die Vereinte Evangelische Mission, die VEM in Wuppertal. So war dann auch der Leiter der Abteilung Afrika der VEM, Dr. John Wesley Kabango, bei der Unterzeichnung anwesend. In seinem Grußwort erläuterte er noch einmal die Bedeutung der Unterzeichnung: "Eine solche Partnerschaft ist Ausdruck unserer christlichen Solidaritat." Es gehe dabei insbesondere "um Begegnung und Lernen, und nicht vornehmlich um Geld". Wichtig seien vielmehr der Austausch von Erfahrungen - sowie die Bereitschaft, die Partnerschaft immer wieder neu zu entdecken und zu beleben. "Möge die Partnerschaft die Herzen der Menschen hier im Kirchenkreis und in Cyangugu erreichen", betonte Kabango dann auch abschließend.

Ein gelungenes und ereignisreiches Jahr 2017
Der Superintendent des Kirchenkreises, Dr. Jörg Weber, fasste in seinen Bericht die Erfahrungen und Ergebnisse des letzten Jahres in Anlehnung an Martin Luthers Thesen in 95 Sätzen zusammen. Zu Beginn stand der Rückblick auf das ausklingende Reformationsjubiläum. Weber zog ein positives Fazit: "Es war ein gelungenes und ereignisreiches Jahr". Es sei insbesondere gelungen, "einladende Kirche zu sein." So seien Menschen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen gekommen, die sonst wenig mit der Evangelischen Kirche zu tun hätten. Es sei aber auch deutlich geworden, dass ohne das große Engagement der Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises "das alles nicht möglich gewesen wäre. Die Musik spielt vor Ort.", dankte Weber allen Mitwirkenden. Als einen weiteren wichtigen Punkt betonte Weber: "Das Reformationsfest 2017 war ökumenisch." Die konkreten Begegnungen während des Reformationsfestes hätten im Kirchenkreis Trier einen "Schub für die Ökumene und die Beziehungen untereinander gegeben". Wichtig sei jedoch nicht nur in diesem Zusammenhang der Ausblick nach vorne: "Reformation geht weiter." In Fragen der Ökumene bräuchte es die gemeinsamen Begegnungen, das gemeinsame Feiern und Arbeiten - damit irgendwann in allen noch offenen Fragen deutlich werde: "Wir gehören zusammen, wir sind Christen, es geht uns um das Gleiche, trotz mancher Unterschiede", so der leitende Theologe des Kirchenkreises. Neben dem ökumenischen Aspekt folge daraus aber auch, dass "wir mit unseren Veranstaltungen und Inhalten wirklich auf den Boulevard gehen." Dies sei nicht immer einfach, da es dort inzwischen viele "laute, aber nicht immer diskursbereite Beteiligte gebe." Evangelische Kirche könne aber nur dann "ein kompetenter Gesprächspartner für unsere Gesellschaft sein, wenn wir uns dem Diskurs aussetzen", so Weber weiter.

Innovative Projekte in ländlichen Räumen
Der Superintendent warf unter diesen Gegebenheiten auch einen verstärkten Blick auf den Kirchenkreis Trier und hielt fest: "Wir leben in einem überwiegend ländlich geprägten Gebiet." Die Frage nach der Kirche in ländlichen Räumen sei in den nächsten Jahren besonders zu bedenken, dabei sei die Herausforderung, über neue Formen der kirchlichen Arbeit auf dem Lande nachzudenken. Es brauche vor allem eine "Weitung des Blicks auf diejenigen, die jenseits des inneren Kreises der Kirche leben", betonte der Sperintendent. Für sie müsse sich der Kirchenkreis stärker öffnen, ganz wie in diesem Festjahr begonnen. Dabei seien die Erkenntnisse entscheidend, dass die Regionen verschiedene Identitäten hätten, denen es gerecht zu werden gelte, zudem gebe es ein hohes Maß an Gemeinsamkeit und Differenz, und dennoch brauche es verstärkt Zusammenarbeit im Kirchenkreis. Der Kirchenkreis würde auch weiterhin zum "lustvollen und fehlerfreundlichen Experimentieren ermutigen", so Weber, denn nur durch Freiräume könnten innovative Projekte gefördert werden.

Suchende für die Kirche und für die Welt
Abschließend stellte Weber noch einmal die Frage nach dem "Jenseits des Reformationsjubiläums" und nach den weiteren Wegen. Dabei erinnerte er an das Leitbild des Kirchenkreises, das davon spricht, "dass Kirche Heimat ist". Gerade in der Diaspora und auch in den evangelisch geprägten Gemeinden des Hunsrück übernehme Kirche "eine Funktion von Heimat", so Weber. Heimat sei dabei so etwas wie "ein Ort, an dem man sich geborgen fühle", jedoch entstehe Heimat auch aus Erinnerungen - und damit könne, so Weber, Heimat eben auch in der Kirche entstehen. "In dieser Kirche kann ich in vielen Begegnungen Erfahrungen austauschen und mich versichern. Meiner Wurzeln und meiner Zukunft. Und des Standpunktes, auf dem ich stehe." Dies sei der von Gott geschenkte Glaube, und deshalb sei er voller Hoffnung: "Als suchende Kirche dürfen wir uns entwickeln. Wir dürfen lustvolle Erfahrungen machen und sie für die Zukunft nutzen. [...] Wer auf dem festen Grund des Glaubens steht und beheimatet ist, der kann zugleich Suchender sein. Für diese Kirche, für diese Welt", so Weber abschließend. Außerdem beschäftigte sich die Kreissynode mit Finanzfragen - so wurde der Haushalt des Evangelischen Kirchenkreises Trier mit einem Volumen von rund 1,8 Millionen Euro für kreiskirchliche Arbeitsgebiete, rund 1,2 Millionen Euro für Verwaltungsaufgaben sowie rund 2,1 Millionen für Pfarrstellenkosten für das kommende Jahr 2018 beschlossen.

Der Evangelische Kirchenkreis Trier (EKKT)
Der Evangelische Kirchenkreis Trier ist die Gemeinschaft der protestantischen Kirchengemeinden in den Regionen Mosel/Saar, Eifel und Hunsrück. Er gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) sowie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kreissynode, das Parlament des Kirchenkreises, setzt sich aus rund 80 Abgeordneten der 20 Gemeinden sowie Vertretern der Arbeitsbereiche und Einrichtungen zusammen. Der rund 5.000 Quadratkilometer große Kirchenkreis ist der flächengrößte in der Rheinischen Landeskirche und erstreckt sich von Gerolstein bis Hermeskeil und von Bitburg bis Krummenau. Derzeit leben rund 55.500 evangelische Christen in dem Gebiet. Die Kreissynode tagt zweimal im Jahr. Sie entscheidet über die inhaltliche und finanzielle Arbeit des Kirchenkreises.

Weitere Informationen: Evangelischer Kirchenkreis Trier, Referat für Bildung, Kommunikation und Medien, Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit, Engelstraße 12, 54292 Trier, Telefon: 0651 20900-71, Fax: 0651 20900-72, Mobil: 01523-4279984, E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@ekkt.de, Web: www.ekkt.de


Bookmark and Share