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Von Poeten, Vertrauen, Klatschen auf Stufe Zehn und einem großen Orchester – Reformationsfest 2017 des Evangelischen Kirchenkreises Trier

Trier – Vergnügt, erlöst, befreit – unter diesem Motto hat der Evangelische Kirchenkreis Trier am Sonntag, 24. September 2017, zu seinem großen Reformationsfest geladen – und rund 1500 Gäste feierten diesen Tag rund um die Konstantin-Basilika in Trier mit.

Vergnügt, erlöst, befreit ging es bei der Kinderbibelarbeit mit André Gatzke zu

Theresa aus Trier vertritt den Kirchenkreis Trier beim großen Poetry Slam Finale in Köln!

Weihbischof Franz Josef Gebert und Superintendent Dr. Jörg Weber luden zum Ökumenischen Mittagsgebet

Mein Herz geht auf: Stilbruch im Trierer Palastgarten!

Dabei gab es für alle etwas – den Auftakt machten André Gatzke und Fulbert Steffensky – „Das ist doch der Mann aus dem Fernsehen!“ war bei der Bibelarbeit für Kinder vor dem Kurfürstlichen Palais öfter zu hören. Und so war es: Gatzke, bekannt aus KIKA und WDR, warf gemeinsam mit den Kindern einen etwas „andrén Blick“ auf die Bibel – „Wieviel wiegt wohl so eine Bibel?“ fragte er beispielsweise die Kinder – und näherte sich so auf lebendige und anschauliche Weise dem Buch, aus dem das Motto des Tages stammt. Und damit der Frage, was es eigentlich macht, dass es einem gut geht - am Ende war klar: Vergnügt, erlöst, befreit zu sein, dass hat immer auch damit zu tun, dass es Menschen gibt, die einem wichtig sind und mit denen man gemeinsam vieles erlebt, an das man sich immer erinnern kann – nämlich Freunde und Familie, so die Antwort der Kinder. In der Konstantin-Basilika warf zeitgleich der Theologe und Poet Professor Dr. Fulbert Steffensky einen ganz eigenen Blick auf das Motto – und kam doch zu einem ganz ähnlichen Ergebnis wie die Kinder draußen: „Wir sind in den Herzen derer geborgen, die uns lieben“, so Steffensky in seiner Bibelarbeit in der gut besuchten Kirche zum Erlöser. Der Versuch, sich selbst zu bewähren, führe nur „zum Zwang, sich in der eigenen Hand zu wärmen“, betonte Steffensky. „Wir sind nicht, weil wir ansehnlich sind, sondern wir sind, weil wir angesehen werden von den Augen der Güte“, fasst er es zusammen – vergnügt, erlöst, befreit, dass hat vor allem etwas mit der Gnade und Güte Gottes zu tun.

Sieben Minuten und Klatschen auf Stufe 10

Rund um die Basilika luden derweil zahlreiche Stände, liebevoll gestaltet von Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises, bei Prümer Orgelwein, frischem Tee und afrikanischen Spezialitäten zum Verweilen ein. Ein besonderer Blickfang: Die Mobile Kirche aus Daun, die eigens zum Reformationsfest angereist war. Auf der großen Wiese im Palastgarten bot der Jugendbereich neben vielfältigen Angeboten für Kinder und Familien, von Bungee-Trampolin und Hüpfburg über das Basteln von Lutherfiguren, einem Lutherpuzzle, selbstgehämmerten Sitzmöglichkeiten, leckerem Popcorn und vielem mehr, ein sehenswertes Programm auf der großen Bühne. Poetry Slam war das Stichwort – und unter der fachkundigen Anleitung von Peter Stablo und seinem Team vom Kulturraum Trier erarbeiteten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Poetry Slam Workshops die hohe Kunst, selbstgeschriebene, poetische Texte zu einem aktuellen Thema innerhalb von rund sieben Minuten dem Publikum zu präsentieren. Gar nicht so leicht – und doch sehr erfolgreich: Auch wenn alle Poetry Slammer sich ihren Applaus mehr als verdient hatten, gab es beim anschließenden Finale eine klare Gewinnerin: Theresa aus Trier ließ die Zuschauerinnen und Zuschauer auf „Stufe 10 klatschen“ – das eindeutige Signal, dass ihre Beitrag, ein kritisch-poetischer Blick auf die Gesellschaft und den damit oft verbundenen Leistungsdruck, für richtig gut befunden wurde. Damit ist sie offiziell die Gewinnerin des landeskirchlichen Vorentscheids – und vertritt den Kirchenkreis Trier beim Finale der Evangelischen Jugend im Rheinland unter dem Motto „Wortanschlag. Deine These“ in Köln.

Eine Perspektive der Geborgenheit

Zur Mittagsstunde luden dann der Superintendent des Kirchenkreises, Dr. Jörg Weber, und der neue Trierer Weihbischof, Prälat Franz Josef Gebert, zum Ökumenischen Mittagsgebet in die Konstantin-Basilika. Gebert sprach in seiner Ansprache davon, dass das Motto „vergnügt, erlöst, befreit“ eine weitere Perspektive auf das Leben böte: „Das was ich leiste, das woran ich scheitere, das ist nicht alles, was mich ausmacht“, so der Weihbischof. Denn darüber hinaus gebe es eine „Perspektive der Geborgenheit“ – nämlich die Sorge Gottes für des Menschen Realität. Damit sei dieses Psalmwort ganz sicher „kein Leichtsinn, sondern ein Vertrauen auf Gott“, so Gebert weiter. Von einer gewissen Form des Leichtsinns wiederum sprach auch der Kabarettist Konrad Beikircher, der am Nachmittag für volle Bankreihen im Palastgarten und befreites Lachen sorgte: „Vor 500 Jahren hat der Martin Luther sich mit seinen Thesen ganz schön aus dem Fenster gehängt“, resümierte Beikircher, der bei seinen anschließenden Betrachtungen zur Frage nach dem „richtigen“ und „falschen“ Glauben sichtlich selbst Vergnügen empfand. „500 Jahre falscher Glaube – oder: Martin Luther... und wenn er Rheinländer gewesen wäre?“ war sein Thema.

Vertrauen auf Gott in allen Lebenslagen

Egal ob Rheinländer oder nicht, für Superintendent Dr. Jörg Weber war in seiner Predigt während des großen Abschlussgottesdienstes in der Konstantin-Basilika klar: „Auch Luther hat erfahren: Gott hält mich. Vergnügt, erlöst, befreit. Heute und auch morgen.“ Dies sei eine der Entdeckungen der Reformation gewesen, so Weber, und bliebe bis heute einer der eindrücklichsten Erkenntnisse überhaupt: „Ich selbst kann nichts dafür tun, um mich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Ich selbst kann nichts dazu tun, von mir aus zu glauben. Es kommt auf Gott an. Er schenkt den Glauben. Uns allen. Ohne unser Zutun. Gratis, aus Gnade.“ So sei „Glaube Vertrauen auf Gott. In allen Lebenslagen“, fasste der leitende Theologe des Kirchenkreises es noch einmal zusammen. Vergnügt, erlöst und befreit ging der Tag dann auch zu Ende: Ein Cello, eine Geige, ein Schlagzeug sowie ein 20 Instrumente starkes Orchester – die Band Stilbruch aus Berlin gab dem kleinen, aber feinen Publikum zum Abschluss des Tages ein hervorragendes Konzert – und so tönte es laut durch den Palastgarten: „Mein Herz geht auf...!“

 

 


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