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Gemeinsam unterwegs mit Luther und Franziskus

Wittlich - Bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen feierten die Christen der evangelischen Christusgemeinde und der katholischen Pfarreiengemeinschaft im Jubiläumsjahr der Reformation unter dem Motto „Gemeinsam unterwegs“ am Sonntag den 26.08.2017 das erste ökumenische Gemeinde(n)fest in Wittlich.

In der Evangelischen Kirchengemeinde sind nahezu 5000 Gemeindeglieder in fast 70 Orten im Kreisgebiet zusammengeschlossen, die Katholische Pfarreiengemeinschaft Wittlich mit etwa 14000 Gemeindegliedern verteilt sich auf 10 Gemeinden/Ortsteile.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der voll besetzten St.Bernhardkirche startete der Tag, unter dem Motto "Vielfalt im und unter dem Regenbogen" legten Pfarrer Bruno Comes und Pfarrerin Susanne Triebler ein besonderes Augenmerk auf das Gemeinsame der Glaubensgemeinschaften, nicht das vermeindlich Trennende. Kantor Reinhold Schneck und Chorleiter Tilman Bruus mit dem gemeinsamen Chor begleiteten den Gottesdienst musikalisch. Die Fürbitten und Bibelworte wurden durch die VertreterInnen der drei am Fest beteiligten Kirchen Elisabeth Heiseler, Karl-Heinz Musseleck und Anne Wettstein gelesen.

Das anschließende wohl mundende Mittagessen beim Jugendheim St.Bernhard wurde vor Ort durch das Blasorchester Wittlich musikalisch untermalt, wer sich für den leckeren Flammkuchen an der Christuskirche entschieden hatte, wurde über Lautsprecher mit der Musik begleitet.

Musik erklang auch bei den zahlreichen Ständen auf der die Kirchen verbindenden St.Bernhardstraße. Unter dem Motto "Markt der Möglichkeiten" fanden sich hier viele caritative (=katholische) und diakonische (=evangelische) Gruppen der Stadt. Aber natürlich auch konfessionsübergreifende Akteure stellten sich hier vor, z. B. die Tafel, die Initiative "Rückenwind", die Hospizinitiative, die Auto- und Radwegekirche St.Paul, die Weltgebetstagsfrauen, der Eine-Welt-Laden und Maria-Grünewald. Nicht zu vergessen das gemeinsame Angebot für Kinder mit vielen Spiel- und Aktionsangeboten. An der Christuskirche hatte der Frauenkreis ihren Flohmarktstand aufgebaut.

Zwei Stände fielen besonders ins Auge: Die dem Thesenanschlag in Wittenberg vor 500 Jahren nachempfundene Kirchentür mit seinen daneben lebensgroß dargestellten Protagonisten Luther und dem heutigen Papst Franziskus sowie die Aktion "Wittlicher Bibel". Beide Stände wurden vom Ökumeneausschuss und dem für diesen besonderen Tag gebildeten Vorbereitungsteam betreut. Viele auch heute aktuelle Thesen und Forderungen wurden an die Kirchentür genagelt. An der Basis, den Wittlicher Christen, liegt es nicht, wenn es stockt und hakt. Vieles ist hier schon gelebte Normalität beim gemeinsamen Miteinander.

Der Stand der "Wittlicher Bibel", der zweite Hingucker, animierte dazu, sein persönliches Lieblingsstück aus der Bibel zu schreiben, zu gestalten oder auszuschmücken. Die Aktion läuft über den Tag hinaus und wird fortgeführt.

Nach dem Essen und der Information an den Ständen verlagerte sich der Schwerpunkt des Geschehens etwas zur Christuskirche. Leider fand das Schattentheater für Kinder wegen des Superwetters nur wenig Resonanz, dafür aber der gemeinsame Bibelkreis im Dachgeschoss des Gemeindehauses. Sola scriptura war eine der Forderungen Luthers.

Ein Auszug des Theaterstücks "Von dem sterbenden reichen Menschen, genannt Hecastus" (nach Hans Sachs) wurde anschließend in der Christuskirche gegeben. Karl-Heinz Musseleck mit seinem Team machte nachdenklich, betroffen und hoffnungsfroh.

Vor dem nächsten Höhepunkt, dem zeitgleichen Orgelkonzert von Michaela und Reinhold Schneck in St.Bernhard und der Christuskirche, bestand noch ausreichend Zeit, den Fragebogen zum Lutherquiz auszufüllen oder sich die "Luthermeile" im Gemeindehaus anzusehen. Auf ihr sind auf 7 Metern Wandfläche die einzelnen Stationen des Protestantismus dargestellt und erläutert. Besondere Berücksichtigung auch hier: Die Wittlicher Geschichte und ihre Verhältnisse.

Eine passendere Verbindung der Kirchen konnte es nicht geben: Das Synchron-Orgelkonzert aus St.Bernhard und aus der Christuskirche. Wurde in der einen Kirche gespielt, schwieg die Orgel der anderen Kirche. Beim nächsten Stück von Bach und Co. war es umgekehrt. Kein Ton ging für die Zuhörer aber verloren, weil das Konzert in die jeweils andere Kirche via Lautsprecher übertragen wurde. Ein Bravo den beiden Organisten und der Technik.

Mit einer Taizé-Andacht in der Christuskirche fand das ökumenische Fest einen stimmungsvollen Abschluss. Pfarrer Johannes Burgard und die Familie Heinz hatten nachdenkliche Texte und Bibelstellen zusammengestellt, sie wurden von diesen vorgetragen und musikalisch begleitet, unterstützt durch Reinhold Schneck am Klavier.

Der Ökumene-Ausschuss hatte die Idee, das Vorbereitungsteam hat über Wochen und Monate äußerst erfolgreich gestaltet und umgesetzt, viele Gruppen und Helfer haben tatkräftig Unterstützung geleistet. Nur so konnte das erste ökumenische Gemeinde(n)fest in Wittlich gelingen, und es ist gelungen. Mehr als ein Anfang ist gemacht!


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